Friedrich Fries hatte die Vision, Menschen für Jesus zu begeistern und sah dazu die Gründung eines "Gemeindeblattes" als unabdingbar. Hartmut Weyel erzählt die Geschichte der Zeitschrift für Freie evangelische Gemeinden.


„Ein geschichtlicher Rückblick wird zeigen, dass die Presse des Bundes- Verlags geradezu eine Lebensnotwendigkeit der Freien evangelischen Gemeinden war.“ Der Mann, der diesen Satz prägte, wusste, was er sagte. Denn er hat fast 50 Jahre im Bund Freier evangelischer Gemeinden nicht nur Geschichten geschrieben, sondern auch Geschichte gemacht.

Die Rede ist von Wilhelm Wöhrle (1888-1986), der seit 1912 mit Unterbrechungen redaktionell für den „Gärtner“ tätig war, auf der „größten Kanzel des Bundes“, wie er meinte. Von 1924 bis 1961 war er alleiniger Schriftleiter, sowie über vierzig Jahre hinweg auch Geschäftsführer des Bundes-Verlags (1921-1961), der das Magazin verlegte. Ohne Wöhrle ist die 125-jährige Geschichte des „Gärtner“ nicht zu beschreiben und schon gar nicht zu begreifen. Auch ohne Friedrich Fries (1856-1926) ist sie nicht denkbar, den innovativen Gründer dieser Zeitschrift für Freie evangelische Gemeinden – ein Optimist und Überzeugungstäter, der immer neue Anfänge wagte und Menschen begeisterte, aber auch oft gehindert und behindert wurde.

Beide Urgesteine hatten begriffen, was Wöhrle zum 50-jährigen Jubiläum des Bundes-Verlags im Jahr 1937 schrieb: Dass „reich gesegnete Bewegungen allzu schnell verebbten, weil man versäumt hatte, dem Dienst am Wort durch eine eigene Presse größere Reichweite zu geben“.

Lange schien man in deutschen Freien evangelischen Gemeinden die Bedeutung eigener Medien, wie Zeitschriften und Bücher, nicht auf dem Schirm zu haben. Erst der Anstoß des visionären Stadtmissionars Friedrich Fries, der aus dem Siegerland stammte und eigentlich Missionar werden wollte, brachte den Stein ins Rollen.

WIR MÜSSEN EIGENE BLÄTTER HABEN

Dass es dazu kam, lag auch an Gottfried Hermann Hengstenberg (1830- 1893), dem geistbegabten Reiseprediger und Evangelisten am Niederrhein, der oft anregte, was Fries dann ausführte. Mit seinem Freund, dem Buchhändler Heinrich Schmithals aus Wesel, hatte er Fries gegenüber immer wieder darauf gedrängt: „Wir müssen eigene Blätter haben, ein eigenes Evangelisationsblatt, ein Gemeindeblatt und ein Blatt für die Kinder.“

Die führenden Persönlichkeiten des Bundes FeG, Heinrich Neviandt (1827-1901) und Friedrich Koch (1847- 1919), lehnten zunächst die Herausgabe eines Gemeindeblattes für den Bund ab, obwohl sich bereits Hermann Heinrich Grafe (1818-1869), der Gründer der ersten Freien evangelischen Gemeinde in Deutschland (1854), mit der Absicht getragen hatte, ein Gemeindeblatt herauszugeben, und dafür bereits die Titelseite entworfen hatte. Durch seinen frühen Tod war er an der Verwirklichung seines Plans gehindert worden.

Auch 1874 bei der Gründung des Bundes Freier evangelischer Gemeinden war angefragt worden, „ob nicht eine Zeitschrift ins Leben gerufen werden könne, worin Gemeindefragen und Angelegenheiten der Gemeinschaften behandelt würden, was zugleich als Correspondenzblatt dienen könne“. Selbst als zwei Jahre später die damalige Bundesleitung für die Bundeskonferenz in Solingen „die Gründung eines Blattes, das die Interessen der Gemeinschaften vertreten, einschlägige Fragen behandeln, sowie Nachrichten vermitteln soll“ auf die Tagesordnung gesetzt hatte, geschah lange Jahre nichts.

Wöhrle erklärte später, dass „bestehende Vorurteile“ die Gründung einer eigenen Zeitschrift lange verhindert hätten. Fries, dem vor allem die Vorurteile galten, habe aber dann einem „inneren Muss“ folgend eine eigene Presse gegründet, wozu es „allerhöchste Zeit“ gewesen sei.

Den vollständigen Artikel können Sie in der Ausgabe 10/18 in CHRISTSEIN HEUTE nachlesen.