Sagt die Bibel etwas zum Thema Organspende? Pastor Michael Schröder greift einige Bibelstellen auf und untersucht sie daraufhin.


Das dritte Buch Mose gehört wohl zu den Büchern des Alten Testaments, die in christlichen Gemeinden selten gelesen werden. Zu fremd erscheinen die vielfältigen und teilweise ausführlichen Opfer- und Heiligkeitsvorschriften. Und doch gibt es an über 90 Stellen des Neuen Testaments Hinweise auf dieses Buch, und längst nicht alle beziehen sich dabei auf den großen Versöhnungstag (3. Mose 16) und das Gebot der Nächstenliebe (3. Mose 19,18). Besonders ein Vers aus der Apostelgeschichte (15,20) wirft in manchen Kreisen im Blick auf medizinische Probleme Fragen auf: Ist das Verbot, sich von Blut zu enthalten, dahingehend zu verstehen, dass eine Bluttransfusion und/oder eine Verpflanzung von Organen für Christen nicht in Frage kommt? Manche sehen hier nicht nur eine Speisevorschrift, sondern eine grundlegende Aussage über den Umgang mit Blut.

BLUT: EIN BESONDERER STOFF

Der Rat des Jakobus während des sogenannten Apostelkonzils (Apostelgeschichte 15,13-21) geht auf 3. Mose 17 zurück, wo aus verschiedenen Blickwinkeln das Verbot des Blutgenusses zum Thema gemacht wird. Dabei fällt zunächst auf, dass das Schlachten von Tieren ganz grundsätzlich nur in der Nähe des Heilig- 2019tums gestattet ist. Wer sich dieser Anordnung widersetzt, der lädt eine schwere Blutschuld auf sich (Kapitel 17,4). Die parallelen Ausführungen in 5. Mose 12 kennen eine solche Einschränkung jedoch nicht, hier ist ein Schlachten im privaten Rahmen fernab des Heiligtums vorstellbar und erlaubt. Die restriktiven Regelungen in 3. Mose gehen vermutlich darauf zurück, dass die Menschen in der Gefahr standen, das Schlachten von Tieren zu Ehren anderer Götter zu betreiben und das Blut als eine besondere Gabe sahen, der sie magische Fähigkeiten zuschrieben. Daher sollte das Blut wie Wasser im Boden versickern und mit Staub bedeckt werden (Kapitel 17,13). So ist eine besondere Verehrung des Blutes nicht mehr möglich.

Im damaligen Verständnis war das Blut Träger des Lebens und wurde in anderen Religionen und Kulten besonders verehrt. Wer das Blut von Tieren in sich aufnahm, der konnte sich – so die Vorstellung – damit auch deren Eigenschaften aneignen. Um diese Praktiken beim Volk Israel zu verhindern, werden hier die strengen Auflagen für den richtigen Umgang mit Blut gemacht. Überhaupt durchzieht ein Grundgedanke die gesamten Ausführungen in diesem Abschnitt des Buches: Es soll unter allen Umständen verhindert werden, dass die Menschen anderen Göttern opfern. Dazu gehören unangemessene sexuelle Handlungen (3. Mose 18), die ebenfalls von anderen Völkern z. B. bei der Ausübung ihres Kultes bekannt waren. Das Volk Gottes hingegen soll sich der Beziehung zu seinem Gott entsprechend verhalten, und so werden anstößige Praktiken verboten, das spiegelt sich ebenfalls im Rat des Jakobus wider.

Das Verbot, Tierblut zu verzehren, findet sich an mehreren Stellen des Alten Testaments. Meist wird es nicht weiter begründet. Hier in 3. Mose 17,11 wird darauf verwiesen, dass das Blut der Tiere als Sühnemittel bestimmt ist. Durch die Versprengung des Blutes im Heiligtum wird die durch die Sünde des Menschen entstandene Trennung von Gott wieder überwunden (siehe dazu auch die eindrucksvolle Schilderung des großen Versöhnungstages ein Kapitel zuvor). Dieser Vers kann als „Summe der kultischen Sühne-vorstellung“ (Bernd Janowski) betrachtet werden. Da das Blut eine versöhnende Wirkung hat, ist es dem Menschen entzogen, er darf darüber nicht verfügen.

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Ausgabe 02/19 in CHRISTSEIN HEUTE.