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Willow Creek Back to the roots

Was Freikirchen bei Willow Creek lernen können – und was sie dabei vermeiden sollten. Peter Strauchs Vortrag vom Willow-Creek-Kongress in Karlsruhe.

Fast alle Freikirchen in Deutschland haben ihren Wurzelboden in den europäischen Erweckungsbewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts. Damals wurden Menschen in großer Zahl vom Geist Gottes bewegt. Damit verknüpft war der Wunsch, das Erlebte nicht zu verschweigen, sondern an andere weiterzugeben. So waren geistliche Erweckungen fast immer mit missionarischen Auf brüchen verbunden. Aber solche Bewegungen lassen sich nicht festschreiben. Wer versucht, sie in Traditionen einzufangen, erntet damit meist kein pulsierendes Leben, sondern Formalismus, Enge und Gesetzlichkeit. Nicht selten folgt danach der Pendelschlag in die Liberalität. Mit den traditionellen Formen wird auch die biblische Theologie über Bord geworfen. Einige Freikirchen haben das schmerzlich erlebt. Aber fast alle sehnen sich nach dem ursprünglichen quellfrischen Leben. Dabei geht es ihnen weniger um historische Quellenforschung als vielmehr um die eigene Identität: Weshalb gibt es uns? Welchen spezifischen Auftrag haben wir? In der Willow Creek Community Church (WCCC) fanden und finden viele freikirchliche Gemeinden eine plausible und erfahrbare Antwort darauf. Dazu gehört auch Bill Hybels persönliche Geschichte. Er wuchs in einer Freikirche auf, bei der es kaum möglich war, nichtchristliche Freunde mitzunehmen. Einer offenbarte ihm nach einem Gottesdienstbesuch: „Bill, bisher habe ich dich für ganz normal gehalten. Du ziehst dich normal an. Du redest normal. Aber das, wozu du mich am Sonntagmorgen mitgenommen hast, das war nicht normal.“ Gerade auch diese Situation hat schließlich zur Gründung der WCCC geführt.

Die hohe Wertschätzung ehrenamtlicher und vollzeitlicher Mitarbeiter

Wertschätzung scheint zunächst ein Randthema zu sein, aber schon dieser Eindruck zeigt sein besonderes Gewicht. Freikirchen finanzieren sich ausschließlich selbst und sind deshalb besonders auf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen. Hinzu kommt die Überzeugung, dass jedes Gemeindeglied für das Ganze mitverantwortlich ist (Priestertum aller Gläubigen). Dazu wurde es von Jesus Christus mit Begabungen und Möglichkeiten ausgestattet (1. Petrus 4,10). Dies ist eine hohe Berufung. Aber sie hebt nicht auf, dass ihr Dienst oft allzu selbstverständlich hingenommen wird. Hinzu kommt ein Klima, in dem eher kritisiert wird als gelobt. Dem hat die WCCC etwas entgegenzusetzen. Unvergesslich, als Bill Hybels zu Beginn eines Kongresses alle Volontäre aufstehen ließ, um ihnen einige Minuten lang zu applaudieren. Unvergesslich auch seine 10:1 Regel: „Bevor du einen Mitarbeiter kritisierst, sage ihm mindestens zehn Dinge, die er gut macht.“ Aber auch die „vollzeitlichen“ Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kommen bei Willow nicht zu kurz. Wie oft leiden zum Beispiel Pastoren und Pastorinnen unter einer unbarmherzigen Erwartungshaltung und Kritik! Die überschaubare Größe einer freikirchlichen Gemeinde macht das nicht gerade einfacher. Jemand hat den Unterschied zur Landeskirche so beschrieben: In einer landeskirchlichen Gemeinde gibt es einen Hirten und etwa fünftausend Schafe, in einer freikirchlichen Gemeinde sind es dagegen circa hundert Hirten und ein Schaf. Sicher ist das übertrieben, aber es weist doch auf eine gewisse Problematik hin. Willow verändert das Betriebsklima in Gemeinden! Um Mitarbeitern eine Hilfe zum Herausfinden des eigenen Dienstbereiches zu geben, wird zum Beispiel gefragt: „Ist dein Herz dadurch aufgegangen? Haben dich andere in deinem Dienst bestätigt? Freust du dich, diesen Dienst weiterzumachen?“ Auch der von Willow weitergegebene Ansporn, als Mitarbeiter und Mitarbeiterin einen möglichst exzellenten Beitrag zu leisten, entspricht der hohen Wertschätzung der Mitarbeit. Das hat in Freikirchen einen spürbaren Erfolg.


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