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Von Wolfgang Kraska


Gemeindezucht Ein Unwort?

Keine Frage, wer sich an das Thema Gemeindezucht heranwagt, betritt ein gefährliches Terrain. Wolfgang Kraska entwickelt aufgrund der biblischen Texte Leitlinien für eine verantwortliche Gemeindepraxis.

Wüsste die Öffentlichkeit, dass es „Gemeindezucht“ gibt und würde man in den Medien darüber diskutieren, das Wort hätte gute Chancen zum Unwort des Jahres gewählt zu werden. Denn was würde ein Leser der BILD-Zeitung etwa mit dem Wort verbinden? Zucht, Züchtigung, Pranger, Peitschenhiebe wie im fundamentalistischen Islam? Oder die Züchtung eines bestimmten frommen Menschentypes, Gemeinde als Zuchtbetrieb braver Einheitschristen, die Gleichschaltung und Disziplinierung Andersdenkender? Das Wort ist grausig und unpassend und kommt als solches auch in der Bibel überhaupt nicht vor. Der Gebrauch des Wortes erschwert die Sache, um die es geht, enorm. Sie ist aber durchaus wichtig.

Vorsicht Minenfeld

Die negative Assoziation, die das Wort bei Außenstehenden hervorrufen muss, hat auch das Verständnis in den Reihen der Christen geprägt. „Gemeindezucht“ ist für viele mit unguten Assoziationen belastet. Fast immer wird sie gleichgesetzt mit Gemeindeausschluss wegen Ehebruchs oder anderer sexueller Vergehen. Das einseitige Verstehen und Vorgehen ruft entsprechend einseitige Reaktionen hervor. Wann immer Gemeindezucht ansteht, werden Beschützerinstinkte geweckt. Das vermeintliche Opfer braucht den Schutz der Sensiblen vor der Macht der Ältesten. Diese mögen noch so viele einfühlsame, geduldige Gespräche geführt haben. Sie mögen jahrelang mit dem letzten Schritt gewartet haben, in der Gemeindeversammlung wird mit Sicherheit jemand aufstehen und dies in Frage stellen. Wird hier nicht vorschnell gehandelt, ist ein Ausschluss nicht viel zu hart? Sollten wir es nicht noch einmal mit Gesprächen und Gebeten versuchen? Keine Frage, wer sich an das Thema Gemeindezucht heranwagt, betritt ein gefährliches Minenfeld.

Nun ist es ja wahr, dass am Ende eines solchen Verfahrens als letzter Schritt auch ein Ausschluss aus der Gemeinde stehen kann. Dies ist ein sehr harter Schritt, und insofern ist die Forderung, hier besonders sorgfältig und auch liebevoll vorzugehen, nicht nur berechtigt, sondern - wie wir noch sehen werden - auch biblisch gefordert. Wir begeben uns aber in eine fatale Sackgasse, aus der wir kaum mehr herauskommen, wenn wir Gemeindezucht ausschließlich mit Blick auf den betroffenen Menschen, das „Opfer“ des Vorgangs, betrachten. In Wahrheit geht es nämlich um einen vielschichtigen Vorgang, der neben dem betroffenen Menschen auch Gott selbst und die Gemeinde berührt. Fangen wir mit dem letzten Aspekt an.


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