» christsein-heute.de 

Von Wolfgang Kraska


Bild:

Christsein Heute

Er kommt Wie leben wir in Erwartung der Wiederkunft Jesu?

„Zwischen Angst und Hoffnung“ – so lautete im Frühjahr das Thema der Theologischen Woche der FeG-Pastoren. CHRISTSEIN HEUTE veröffentlicht den viel beachteten Vortrag von Ingo Scharwächter zu dieser Thematik.

Es war noch im Kindergottesdienst, als ich mich erstmals näher mit der Wiederkunft Christi befasst habe. Wir waren die „große Gruppe“, also schon zwölf, 13 Jahre alt und damit natürlich keine Kinder mehr. Einer der Mitarbeiter der Sonntagsschule bereitete sich gerade auf die Bibelschule vor und verfügte bereits über die große Weisheit eines 18-Jährigen. Er hat uns damals aus „Alter Planet Erde wohin?“ von Hal Lindsey, einem Klassiker der evangelikalen Endzeitliteratur, vorgelesen. Damals erfuhr ich, dass das Tier mit den zehn Hörnern vermutlich die EU sei, der Antichrist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon lebe und der Dritte Weltkrieg unmittelbar bevorstehe. Ich habe an den Lippen des Mitarbeiters geklebt und das Buch schnellstens selbst gelesen, die einschlägigen Stellen aus Daniel und der Offenbarung studiert und versucht, den Endzeitfahrplan Gottes zu entschlüsseln. Zur Ehrenrettung des Mitarbeiters sei übrigens gesagt: Ich bin mir sicher, dass er heute kein Hal-Lindsey-Fan mehr ist.

Eine ältere Dame …

Ein paar Jahre später. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl lag noch nicht lange zurück. Für mich markierte dieses Ereignis eine wichtige Wende in meinem Leben. Nach Tschernobyl fing ich an, mich für Umweltschutz zu interessieren und dann auch einzusetzen. Es muss wohl in dieser Zeit gewesen sein, als ich ein Gespräch über den Gartenzaun mit einer älteren Dame führte, die neben uns wohnte. Sie hatte von meinem Engagement gehört und meinte dazu nur: „Dagegen kann man sowieso nichts machen. Das muss alles so kommen, das steht schon in der Bibel.“ Das konnte und wollte ich so nicht stehenlassen und habe alle Argumente auf sie einprasseln lassen, die ich mir angelesen hatte. Aber die ältere Dame blieb dabei und wiederholte nur: „Nein, nein, da kann man nichts machen. Das muss alles so kommen, bevor Jesus wiederkommt.“ Erst viel später habe ich begriffen, dass sie wohl schon seit vielen Jahren unter schweren Depressionen litt und ihre ausgeprägte Endzeitangst auch Ausdruck dieser Depression war.

… und ein erhellendes Seminar

Wieder ein paar Jahre später. Mittlerweile war ich Student am Theologischen Seminar in Ewersbach. Alle, die das Eschatologie-Seminar schon mal besuchten, haben alles durchgekaut, was dabei von Belang ist: den Antichristen und die Zeichen der Zeit, die Wiederkunft Christi und die Entrückung, das Tausendjährige Reich und das Jüngste Gericht. Unter anderem haben wir dabei das immer noch sehr lesenswerte Buch von Franz Stuhlhofer „Das Ende naht! Die Irrtümer der Endzeitspezialisten“ gelesen. Ein ernüchterndes und zugleich sehr erhellendes Buch, das die Irrtümer der Endzeitautoren von Hal Lindsey über Klaus Gerth bis Wim Malgo untersucht und belegt, dass sie alle geirrt haben. Nach dem Eschatologie-Seminar habe ich das Thema „Endzeit“ vorerst zu den Akten gelegt und lange Zeit nur manchmal im Advent „aus der Mottenkiste“ für eine kirchenjahrskonforme Predigt wieder herausgeholt. Die Erwartung der Wiederkunft Christi blieb zwar Glaubensgut, spielte aber nur noch eine geringe Rolle. Ich vermute, dass dieser Werdegang nicht ganz untypisch ist für den Umgang mit der Wiederkunft Christi und den „letzten Dingen“ in unseren Gemeinden.

Erwartung – Fehlanzeige?

Mir scheint, dass die Wiederkunft Christi heute ein Randthema ist. Das mag in einzelnen Gemeinden zwar anders sein; denn es kommt vor allem auf den Pastor an. Aber insgesamt scheint mir die Erwartung der Wiederkunft Christi eher in den Hintergrund gerückt zu sein. Nur zwei Beobachtungen dazu: Wenn ich recht sehe, dann gehörte bei unserer Gemeindezeitschrift CHRISTSEIN HEUTE, früher „Der Gärtner“, im November oder Dezember immer auch ein Themenheft zur Wiederkunft Christi zum normalen Jahresablauf. Das letzte Themenheft zur Wiederkunft Christi ist dagegen im Januar 2003 erschienen, danach wurde das Thema in CHRISTSEIN HEUTE nur noch gestreift. Oder noch ein Signal dafür, dass die Wiederkunft Christi ein Randthema geworden ist: unser Liedgut. Hier hat sich ja generell ein großer Wandel vollzogen. Unser Liedgut ist mittlerweile stark geprägt durch die moderne Lobpreiskultur. Bei diesen Liedern finden sich nur ganz wenige Texte, die den wiederkommenden Herrn zum Thema haben. Andreas Arnold, Kreisvorsteher im Dill- Westerwald-Kreis, hat 2005 in einem Artikel in CHRISTSEIN HEUTE (11/2005) unter dem Titel „Selig sind, die Heimweh haben“ darauf hingewiesen, dass im alten Gemeindepsalter unter der Rubrik „Ewigkeit“ noch 57 Lieder zu finden sind. In den Gemeindeliedern waren es dann noch 25, in „Ich will dir danken“ ganze zehn, in „Feiern und Loben“ immerhin wieder 22. Auch hier zeigt sich eine Akzentverschiebung. Wir sprechen nicht mehr viel über die Wiederkunft Christi, und wir singen auch nicht mehr viel davon. Von einer sehnsüchtigen Erwartung unseres wiederkommenden Herrn, die andere Generationen von Christen geprägt hat, ist heute kaum mehr etwas zu spüren. Darum lautet meine erste Frage: Wie können wir in unseren Gemeinden die Erwartung auf die Wiederkunft Jesu Christi neu stärken?

Bonhoeffers Zwischenruf

Nun ist an dieser Stelle allerdings auch Vorsicht geboten. Es wäre dem Leben und auch dem biblischen Zeugnis nicht gemäß, wenn man aus der sehnlichen Erwartung der Wiederkunft Christi ein Gebot machen wollte: „Du sollst immer und jederzeit mit Sehnsucht im Herzen die Wiederkunft Christi erwarten.“ Dietrich Bonhoeffer hat in einem Brief an seinen Freund Eberhard Bethge am 18.12.1943 Folgendes formuliert: „Ich glaube, wir sollen Gott in unserem Leben und in dem, was er uns an Gutem gibt, so lieben und solches Vertrauen zu ihm fassen, dass wir, wenn die Zeit kommt und da ist – aber wirklich erst dann! – auch mit Liebe, Vertrauen und Freude zu ihm gehen. Aber – um es deutlich zu sagen – dass ein Mensch in den Armen seiner Frau sich nach dem Jenseits sehnen soll, dass ist milde gesagt eine Geschmacklosigkeit und jedenfalls nicht Gottes Wille.“ (Aus: „Widerstand und Ergebung“) Also: Nicht in jeder Lebensphase eines Menschen, auch nicht in jeder Lebensphase einer Gemeinde oder eines Gemeindebundes wird das Thema von der Wiederkunft Christi gleichermaßen im Vordergrund stehen. Das ist auch in Ordnung so. Die Frage ist allerdings, ob wir in den Stunden, in denen es dran ist, auch wirklich sagen und beten: „Ich wollt, dass ich daheim wäre!“ oder, stärker bezogen auf unser Thema, „Ich wollt, dass Christus wiederkäme“. Und für Verantwortliche in den Gemeinden hieße es: Wie können wir Vorfreude auf den wiederkommenden Herrn wecken, damit sie dann zum Tragen kommt, wenn es an der Zeit ist?

Lust auf den Himmel machen

Erstens: Um die Erwartung auf den wiederkommenden Herrn zu wecken, sollten wir Lust auf den Himmel machen. Die Wiederkunft Jesu ist ja nicht das eigentliche Ziel unserer Hoffnung. Sie ist die Grenze zwischen Jetzt und Dann, zwischen Weltzeit und Ewigkeit. Die Wiederkunft Jesu ist das Tor zwischen Himmel und Erde, dem vergehenden Himmel und der vergehenden Erde auf der
einen Seite und dem neuen Himmel und der neuen Erde auf der anderen Seite. Die Frage ist nun aber: Gibt es in unseren Gemeinden eine lebendige Hoffnung auf den Himmel, auf die Ewigkeit? Ich fürchte, dass es diese lebendige Hoffnung bei vielen unserer Mitchristen nicht gibt. Ich habe es jedenfalls schon mehrfach so erlebt: Da sprechen wir im Hauskreis über den Himmel und ich frage die Geschwister, worauf sie sich denn freuen – und es herrscht Schweigen. Vorfreude? Fehlanzeige! Aber wie sollen Menschen denn die Wiederkunft Jesu sehnsuchtsvoll erwarten, wenn sie keine Vorstellung davon, geschweige denn Vorfreude darauf haben, was dann kommt? Darüber müssen wir predigen! Die Bibel tut’s doch auch! Natürlich können wir uns im Letzten nicht vorstellen, wie es in der Ewigkeit bei Gott sein wird. Aber wir finden Bilder in der Bibel dazu. Die Bibel sagt, was es bei Gott nicht mehr geben wird – keinen Tod, kein Leid, keine Tränen, kein Geschrei (Offb 21,4). Oder man nimmt das, was auf Erden das Schönste ist, und sagt: Noch schöner wird’s im Himmel! Himmel, das ist wie eine Hochzeit (Off b 19,7). Wie ein Festmahl (Jes 25,6-8). Wie eine Stadt aus Gold und Edelsteinen (Offb 21,11-21). Und wem der Sinn nicht danach steht, der nehme andere wirklich gute und schöne Dinge, die es hier in dieser Weltzeit gibt, und stelle sich den Himmel so vor.

Heilsgewissheit predigen


Noch keine Kommentare

Sie müssen eingeloggt sein um Kommentare zu schreiben


Christsein heute

... alles, was
Freie evangelische
Gemeinden bewegt!


Jetzt bestellen


Service

Der FeG-Shop

Bücher & anderes aus dem FeG-Kosmos:


Zum Shop>>>

Kontakt zur Redaktion

Sie möchten Kontakt mit uns aufnehmen? Dann klicken Sie doch bitte hier.

Lust auf mehr?

Weitere Zeitschriften aus dem Bundes Verlag

Informieren Sie sich hier über weitere Zeitschriften und Angebote des Bundes-Verlags.

 

© 2019 SCM Bundes-Verlag gGmbH - Impressum - Datenschutz - Kontakt