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Von Arne Völkel


Gottes Mut Weihnachten bedeutet: Er wird Mensch

Im Kino: Immer wieder lautes Lachen und viele fröhliche Gesichter. Paare stecken lachend die Köpfe zusammen, andere klopfen sich vor Freude auf die Schenkel. Es ist eine großartige Stimmung. Entspannt sitzen wir da und freuen uns wie Kinder zur Weihnacht.

Wir träumen den Traum eines glücklichen, zufriedenen, liebevollen Lebens. Später sehe ich Leute miteinander scherzen, einige tanzen ausgelassen zur Musik des Filmabspanns. Plaudernd rufen wir uns lustige Szenen des gerade Erlebten ins Gedächtnis und vergnügt schlendernd geht jeder seines Weges. Das Erlebnis ist nichts Einmaliges, aber die Orte solch ungezwungener Fröhlichkeit sind meist die gleichen. Selten sind es die Kirchen und Gemeinden. Doch was macht den Glauben oft so anstrengend und das Christsein trostlos? Kann es gute Nachricht sein, wenn es nichts zu lachen gibt? Es braucht Mut, als Christ Mensch zu bleiben. Menschen, die sich ihres Lebens freuen. Menschen, die das Glück schätzen, sich verändern und wachsen zu können. Menschen auch, die sich an Gott binden wollen. Die Weihnachtsgeschichten der Bibel erzählen von solchen Menschen, denen Jesus Ziel gab und Hoffnung war, in denen er Glück und Freude weckte.

Wie Christus in uns geboren wird
Keine andere Geschichte des Neuen Testaments schildert die Bereitschaft zu offener, völlig unvorhersehbarer Gottesbegegnung so eindruckvoll wie die Geschichte von Maria, der Mutter Jesu (Lukas 1,26-38). Als ihr durch den Engel die Geburt eines Sohnes angekündigt wurde, war das zunächst alles andere als eine gute Nachricht für sie. Auch dass der Junge „Sohn Gottes“ genannt werden sollte, änderte daran nichts. Denn als unverheiratete Frau in Israel ein Kind zu erwarten, das war die schlimmste Hiobsbotschaft, die so einem jungen Mädchen ins Haus stehen konnte. Mit dieser unglaublich unglücklichen Botschaft kommt nun der Engel zu Maria. Wenn nicht der Tod, dann doch soziale Ächtung, der Ausschluss aus der religiösen Gemeinde, die Trennung von ihrem Verlobten, die nicht zu bewältigende Last, dies Kind allein aufziehen zu müssen: Das alles stand vor Maria in dieser Gottesbegegnung. Maria antwortete auf diese Ankündigung voller Risiken und Unwägbarkeiten. Sie sagte: „Ich will ganz für Gott da sein. Es soll so geschehen, wie du es gesagt hast.“ Dann verließ sie der Engel. Keine Geschichte verdeutlicht besser, was die Bereitschaft zur Begegnung mit Gott, wie er sie will, ausmacht. Diese Weihnachtsgeschichte deutet an, wie unvorhersehbar Begegnung mit Gott aussehen kann. Vielleicht hat das Wagnis der Gottesbegegnung uns bisher davon abgehalten, Gott zu vertrauen. Und doch regt sich in unseren Herzen die leise Hoffnung, es könne doch wahr sein: In einer ganz und gar unfriedlichen Zeit kann Gott mir ganz nah sein und seinen Frieden schenken. „Gott, Vater, ich will für dich da sein!“ Ohne die Zuversicht, dass Gott uns wirklich liebt, können wir ihm so nicht begegnen. Ich denke, das war es, was Maria in Gottes Augen dazu prädestinierte, seinen Sohn zur Welt zu bringen. Der Heilige Geist fragte Maria nicht zum Schein nach ihrem Einverständnis mit diesem Weg und Willen Gottes. Ebenso ist es auch bei uns. Jesus will auch in uns geboren werden, wie Maria Jesus bei sich trug. Und er fragt nach unserem Einverständnis mit seiner Absicht. Christus lebt „in uns“. Das wird im Neuen Testament allen Menschen zugesagt, die ihm vertrauen. Das ist seine Verheißung an jeden Menschen. Sie ist der an Maria verwandt. Jesus wird durch den Heiligen Geist in uns hineingepflanzt. Dieses Wunder der Gemeinschaft mit Gott ist der Glaube an Jesus Christus. Es ist die Weihnachtsgeschichte unseres eigenen Lebens. Christus lebt in uns, wo wir ihm vertrauen!

Ich bin mir ganz sicher: Der Engel Gottes wäre von Maria gewichen, wenn sie sich dem Begehren des Geistes Gottes in ihrem Leben widersetzt hätte. So verfährt Gott auch mit uns. Halten wir uns darum offen für neue, manchmal tiefe Eingriffe Gottes in unsere Lebensgeschichte! So wenig wie Maria können wir das selbst machen. Unser Beitrag besteht darin, das Wirken Gottes bei uns zuzulassen, wie es Jesu Mutter tat, damit Gott in unserem Leben freie Bahn für sein Wirken hat. Der Glaubensanfang wie die Erneuerung unseres Glaubens bedarf dieser Grundhaltung, die alles von Gott erwartet. Dann ist uns durch Christus fest zugesagt, was der Engel der Maria verkündete: „Sei gegrüßt, der Herr ist mit dir. Gott hat dich auserwählt, in dir zu wohnen.“

Der König aus Bethlehem

Mittlerweile ist einige Zeit vergangen, Monate sind ins Land gegangen. Da befinden sich ein Mann und eine Frau auf dem Weg nach Bethlehem. Das waren damals viele, als Quirinius Stadthalter in Syrien war und Augustus Kaiser von Rom. Und mit Sicherheit waren noch mehr schwangere Frauen darunter als nur Maria, die Verlobte des Zimmermanns Joseph. In seine Heimatstadt Bethlehem hatten sie sich zur Volkszählung aufgemacht. Das wäre nicht sonderlich erwähnenswert gewesen, denn Bethlehem war eine völlig unbedeutende Ortschaft im römischen Reich. Aber es war eine Stadt, die nach prophetischer Verheißung einmal eine bedeutende Rolle spielen sollte. Bethlehem war Heimat des Isai gewesen, des Vaters von David, der hier seine Berufung zum König erhielt. Das zeichnete die Ortschaft aus. Von hierher sollte zu seiner Zeit ein Nachkomme Davids den Thron besteigen, der ihn an Macht und Größe noch weit übertreffen sollte. Das noch ungeborene Kind der jungen Maria sollte dieser König sein. Ein direkter Nachkomme Davids. So hatte es schon lange zuvor der Prophet Nathan in seiner Weissagung dem König David angekündigt (2.Samuel 7, 1-6. 16): „Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein.“ Das hatte Gott dem Nachkommen Davids versprochen. Der kommende König sollte Gott nahe stehen wie sonst keiner. Unvergleichlich seine Größe und ohne Ende seine Regentschaft. Was Wunder, dass es da König Davids Wunsch war, seinem Gott einen Tempel zu errichten! Einen Ort, an dem ihn alles Volk verehren und anbeten konnte, ihm opfern und ihn preisen sollte. Aber Gott verzichtete vorläufig auf den Tempelbau zu seiner Ehre: „Seit ich die Israeliten aus Ägypten befreit habe, habe ich noch nie in einem Haus gewohnt. In einem Zelt zog ich mit euch umher.“ Gott wohnt in einem Zelt und neidet David seinen Palast nicht! Für sich verlangt er kein gleichartiges Gebäude. Gerne wollte ihm David dazu verhelfen! Standesgemäß soll es sein, prächtig und erhaben. Jedermann soll sehen, wie groß Gott ist, alle Völker sollen darüber staunen. Davids Motiv ist uns verständlich. Gerne möchten wir Gott sehen, wie wir uns gerne selbst sehen wollen. Reich und mächtig, angesehen und beachtet, mit einem Wort: Königlich unbescheiden. Aber Gottes Ehre ist es, nah bei den Menschen zu sein. Unvorstellbar, aber wahr: Er will unter uns leben und nicht in einem prächtigen Gotteshaus.

Unter König Salomo haben die Menschen dann doch noch einen Tempel errichtet. Und sie wurden schon sehr bald stolz und sicher darüber. Bis Gott selbst ihn wieder eingerissen hat. Vorläufig durch weltliche Mächte und endgültig durch Marias Kind. Die Weihnachtsgeschichte von Jesu Geburt im Stall macht deutlich: Der Gott des Alten Testaments ist derselbe wie der des neuen Bundes in Jesus Christus. Jahwe wohnte in einem Zelt bei seinen Menschen, sein Sohn wird in einem Stall geboren. „Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in der Krippe liegt.“ Es geht ihm nicht um sich, es geht ihm um uns! Das ist die Weihnachtsbotschaft von Bethlehem. Und ich verstehe: Der König aller Könige, dessen Reich ewigen Bestand hat, sucht von mir nichts Kostbares zu erhalten. Er gibt sich mit Zelt und Stall zufrieden, wenn er nur dadurch so nah wie möglich bei mir sein kann und bei meinem Nachbarn. Mit dieser Liebe weist er mich aber auch auf meinen Nächsten hin.

Der Mann aus Nazareth
Nach dem Tod des Tyrannen Herodes kehrt Josef mit seiner Frau Maria und ihrem ersten Sohn in die Heimat zurück (Mt. 2,19-23). Anstelle des verstorbenen Gewaltherrschers, vor dessen Nachstellungen Josef und Maria nach Ägypten flohen, hält nun sein Sohn das Zepter in der Hand. Josef wird abermals von Angst ergriffen, von Furcht, die ihm keine unbekannte mehr ist. Neuerlich sieht er sich und seine Familie mit dem Tod bedroht. So kommt es, dass die junge Familie Weisung erhält, in das Gebiet von Galiläa nach Nazareth zu fliehen. Ein Dorf, so klein und unbedeutend, dass später darüber gespottet werden wird: Was kann aus Nazareth Gutes kommen? (Joh. 1,46). Dieser Spott freilich gilt weniger der Ortschaft selbst als dem Mann, der darin vom Kind zum Erwachsenen aufwuchs. Etwa dreißig Jahre vergehen, bis man von ihm spricht. Nicht nur in Nazareth, nicht allein in Galiläa, nein, weit über diese Grenzen hinweg. Sie nennen ihn den „Nazoräer“. Jesus von Nazareth ist einer der ganz großen Namen unseres Kulturkreises. Und das, obwohl dieser Jesus nicht auch nur eine Zeile an schriftstellerischem Nachlass hinterließ. Er selbst hat kein Buch geschrieben, keine Memoiren herausgebracht. Andere haben es für ihn getan. Zeugen seines Lebens, die zutiefst von seiner Person und göttlichen Sendung überzeugt waren.

Was erzählen sie über ihn? Wie aus einem großen Gemälde rückt ein Detail in den Vordergrund. Wenn wir wissen wollen, wer Jesus war, dann müssen wir hinsehen, wer er für seine Mitmenschen war! Wir müssen uns klarmachen, welche Erwartungen und Hoffnungen die Menschen damals in Israel hatten und welche wir an unser Leben haben. Dann werden wir finden, was Jesu Kommen für uns bedeutet, und dann können wir sehen, was Weihnachten für uns bereithält. Das Volk Jesu hatte in seiner langen Geschichte viele Erfahrungen mit Gott gesammelt. Sie hatten sich als das von Gott auserwählte Volk begreifen gelernt, sie hatten seine Gebote empfangen, sie hatten geglaubt, was Gott von ihnen und ihrem Leben erwartete. In großer Not, in Hunger und Krieg, Verbannung und politischer Unterdrückung hatten sie es immer wieder erlebt und entdeckt, dass Gott zu seinem Versprechen stand, ihr Gott zu sein. Darum setzten sie auch zurzeit von Jesu Geburt, als die Römer im Land herrschten, all ihre Hoffnungen auf eine rettende Gottestat. Sie warteten auf den Messias, auf den Retter aus ihrer Not. Die Geschichte Israels bewirkte bei ihm aber noch eine andere, alles bestimmende Überzeugung: Gottes Gnade, seine liebende Zuwendung, geht dem Volk verloren, wenn es sich seinem Willen widersetzt. Es besitzt seinen Anteil an Gott dadurch, dass es ihm gehorcht; denn Gott ist für das Gute gegen das Böse. Die Hoffnung der Messiaserwartung war, dass er sie aus dem Elend, in das sie ihr Ungehorsam gegen Gottes Willen gestürzt hatte, befreien würde.

Darauf weist bereits das Alte Testament hin, wenn in den Worten des Propheten an das Volk die Friedensbotschaft des Weihnachtsfestes anklingt: „Fürchte dich nicht, hab keine Angst, denn ich erlöse dich; ich rufe dich bei deinem Namen, du bist mein!“ (Jesaja 43,1). Geborgen sein. Das ist es, was wir uns wünschen. Bärenstarke Männer wie Simson suchen Geborgenheit in den Armen einer Frau. Kinder hängen sich an den Rockzipfel der Mutter. Frauen möchten sich an ihre Männer anlehnen können und Senioren erhoffen sich Schutz und Fürsorge im Alter. „Fürchte dich nicht!“ Das ist Balsam für unsere geängstigten Herzen. Das ist ein Zuspruch, der in unsere Zeit so gut wie in jede andere passt, oder vielleicht noch etwas besser.

„Fürchte dich nicht!“ Maria wird es gern gehört haben, wenn Josef ihr auf der beschwerlichen Reise Mut machte und die Hoffnung nicht sinken ließ, als sie keine Herberge fanden. „Hab keine Angst, mein Junge!“, das wird Maria auch ihrem Sohn Jesus gesagt haben. Unglaublich: Maria hält Gottes Sohn in ihren Armen. Der Vater im Himmel hat ihr seinen Sohn in die Hände gelegt und er lässt sich von der jungen Mutter trösten. „Gottes Sohn liegt in Mariens Schoß.“ Was wir im Weihnachtslied singen, ist von unauslotbarer Tiefe. Gott bestätigt durch das Wunder seiner Menschwerdung unser elementares Bedürfnis nach Geborgenheit. Wir brauchen die Nähe liebender Menschen. Wir sind angewiesen auf den Klang tröstender Worte. Wir benötigen schützende Hände und tragende Arme. Denn Gott selbst, sein Sohn, brauchte auf der Erde die Nähe der Menschen. Die Wärme der Mutter, die Fürsorge des Vaters, die Aufmunterung seiner Tante Elisabeth (Lukas 9,31ff).

Unser Bruder Jesus
Die Weihnachtsgeschichte ist eine echte Familiengeschichte. Nicht nur weil die Geburt des Kindes Maria und Joseph zu Eltern macht, sondern weil das neugeborene Kind ungezählt viele Brüder und Schwestern haben wollte. Darum ist es Weihnachten geworden (Hebräer 2,10-18). Jesus hat sich nicht der Engel, sondern der Menschen angenommen. Uns nennt er seine Brüder und Schwestern. Damit dies nicht nur eine fantastische Spekulation über Gottes Wesen sein sollte, wurde er „in allem seinen Brüdern gleich“. Gott wurde Mensch, um uns zu erlösen. Es gab offensichtlich keinen anderen Weg, damit wir seine Geschwister würden. Der Vater hob uns nicht in den Himmel hinauf, sondern sandte seinen Sohn zu uns auf die Erde. Gott wollte Mensch werden! Weihnachten ist dieser entscheidende Schritt seiner Erlösungsgeschichte. Gott wollte als Mensch erfahren, was es bedeutet, unser Bruder zu sein. Wenn leibliche Brüder und Schwestern auch sehr verschieden sein können, so lässt sich ihre gemeinsame Mutter nicht leugnen. Es genügte dem Vater daher nicht, uns seine Liebe nur als Wort mitzuteilen. Bruderschaft ist mehr. Da hat man ein gemeinsames Zuhause. Was unsere menschliche Würde ausmacht, ist, dass wir alle gleichermaßen von dem einen himmlischen Vater herkommen. Deshalb sagt Johannes: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ Das Kind in der Krippe führt uns an das Geheimnis unserer Gemeinschaft mit Gott heran. Ihn erkennen bedeutet, Jesu Menschlichkeit ansehen. Christus wurde uns in allem gleich. Es genügte unserem Herrn nicht, der unbekannte Gott zu sein (Apostelgeschichte 17,23ff), wenn er der barmherzige und mitleidende Gott sein konnte (Hebräer 4,14-16). Das zeichnet die Liebe Jesu zu uns aus. Er wollte unser ganzes Leben selbst erfahren.

Das ist die Weihnachtsbotschaft! Die Bibel scheut sich nicht festzustellen, dass Jesus dabei an dem, was er litt, Gehorsam lernen musste (Hebräer 5,8). Jesus wollte und musste lernen, was es heißt, auf dieser Erde der Sünde und allem Dunkel und Notvollen unterworfen zu sein: Schmerzen leiden wie wir, vor Hunger schreien wie ein Säugling. Jesus nahm es auf sich, einen Beruf zu erlernen und sich dabei mit dem Hammer auf den Daumen zu hauen. Er spürte Einsamkeit, verlassen und betrogen zu werden, ausgelacht und gering geachtet zu sein. In dem, was er litt und worin er angefochten wurde wie wir, ist er befähigt worden, uns Menschen zur Hilfe zu kommen. Unser Herr weiß aus eigener Erfahrung, was uns Freude macht und Angst einjagt, was wir erleben auf einer Hochzeit und was wir empfinden im Sterben. So ist er uns ein barmherziger und zuverlässiger Fürsprecher geworden.

Der Gottesdienst des Messias
Jesus teilte mit den frommen Juden die absolute Wertschätzung des Willens Gottes, die sich den Schriftgelehrten wie ihm in den überlieferten heiligen Schriften darbot. Darum gab er auf die an ihn gerichtete Frage, was man tun solle, um Gott zu gefallen, dieselbe Antwort wie jene: Das soll man tun, was die Gebote gebieten! Über diesen Grundsatz bestand Einigkeit. Er verband Jesus mit dem Volk, mit den Schriftgelehrten und auch mit den „Abgesonderten“, den Pharisäern. Jesu Glaube bestand in der Übung des Gehorsams. Er wusste sich nicht deshalb als Gottes Sohn, weil er Gottes Gedanken wusste oder in allerlei Geheimnisse eingewiesen war. Jesus wusste sich als Sohn Gottes, weil er von ihm herkam und seinen Willen tat (Johannes 6,38). Sein Gehorsam gegen den Vater war mit der Liebe zu ihm und den Menschen eins. Diese Liebe hatte ihn selbstlos gemacht. Mit seiner Liebe zum Vater blieb er von ihm abhängig. Die Liebe bewahrte ihn vor der Überhöhung seiner Person, indem er der Messias Gottes blieb.

Er und wir sollten mit Leib und Seele, Herz und Verstand Gott gehören. Seine Liebe hatte darin ihr Ziel. Nicht, dass der gute Mensch erkennbar werde, sondern dass die Liebe Gottes offenbar sei. Jesu Gottesdienst war es, den Willen seines Vaters zu tun! Dieser Gehorsam war es, der ihm die Gewissheit gab, Gott mit seinem ganzen Leben und Wesen zu gehören. Was Jesu Leben bestimmte, war der Wille, uneingeschränkt Gottes Willen zu tun. Was uns dominiert, ist oftmals der Wille, unser eigenes Leben zu gewinnen (Matthäus 16,26). Weihnachten zeigt uns die Befreiung aus der Sucht nach Leben, in ein Leben aus Liebe und Gehorsam zu Gott. Weihnachten zeigt uns die Unterscheidung von Gott und Glück, das Entbehrung für Unglück hält. Gott haben ist Glück! Der „Nazoräer“ zeigt uns mit seinem Kommen eine neue Lebensrichtung auf. Es ist nicht der Weg unserer Erhöhung. Weihnachten ist der Weg Gottes zum Menschen. Die Größe und Entschlossenheit der Unterordnung Jesu unter den Willen seines himmlischen Vaters ist staunenswert. Das zeigte sich bereits, als er in Nazareth, jenseits der großen Welt, zum Mann heranwuchs. Aus Gott geworden, eins mit seinem Willen, erwuchs die Ruhe in ihm, durch die er zu warten vermochte. Er fand sich in die Arbeit der väterlichen Schreinereien und widerstand jeder eigennützigen Ausprägung seiner Berufung. Dreißig Jahre lebte er unauffällig, bis er sich öffentlich mit einem programmatischen Ausruf zu seinem Auftrag stellte: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist genaht; kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,16)

Wo Weihnachten gefeiert wird
Für viele ist Weihnachten ein frohes Fest. Andere berührt es mit Traurigkeit und lässt Schmerz und Kummer aufbrechen. Mancher genießt die Gemeinschaft mit seinen Lieben, andere fühlen sich zur Weihnacht besonders einsam und verlassen. Was uns jedoch an Freude verbindet, ist: „Dir ist der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids.“ In Bethlehem, in einem Stall ist er geboren. Gott zieht in jeder Herberge ein! Es ist ihm nicht wichtig, ob da alles glänzt, alles in Ordnung ist, alles für den König geschmückt. Jesus geht durch jede Tür, die ihm offen steht. Er klopft besonders gerne bei denen an, wo sonst niemand um Einlass bittet. Die Hirten auf dem Feld waren erste Zeugen der Weihnachtsbotschaft. Doch wäre da irgendeiner aus Bethlehem nachts daher gekommen, dem hätten die Hirten bestimmt nicht geglaubt. Aber so war‘s ja nicht: Da kommt ja nicht einer, sondern eine ganze Heerschar! Und die kommen noch dazu nicht aus Bethlehem, sondern vom Himmel. Und jetzt ist natürlich was los. Da bleibt keiner der Hirten unter seiner Decke liegen und schläft weiter. Da springen sie entsetzt auf und dem Wachposten geht vor Schreck die Pfeife aus. Da umstrahlt die Hirten mit einem Mal helles Licht und sie drücken ihre Hände vor die geblendeten Augen. Weil das so war, so einzigartig, unglaublich, hatten die Hirten nur noch eins im Sinn. Das müssen wir sehen! Da müssen wir hin, in diesen Stall! Da wollen wir doch dabei sein, dieses Kind müssen wir unbedingt finden! Und dann laufen sie los und finden alles so, wie der Engel es gesagt hat. Ein junges Paar, Maria und Josef, und einen Säugling, der in einer Krippe liegt. Großes Staunen! Anbetende Stille!

Das macht den Unterschied zu uns heute aus. Zweitausend Jahre wird diese Geschichte nun schon erzählt und zweitausend Mal Jesu Geburtstag gefeiert. Da springt niemand mehr auf, da setzt Gewöhnung ein. Das Licht der Engel blendet niemanden mehr, die Botschaft der Engel erschreckt nicht mehr. Es ist, als habe irgendeiner davon erzählt und wir drehen uns um und sagen: Die Geschichte kennen wir schon, weck mich, wenn es etwas Neues gibt! Aber jetzt fällt unser Blick auf das, was über der Krippe Jesu steht: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ „Die Engel, die vielen, die Gott im Himmel dienen, die priesen Gott und riefen: Groß ist von jetzt an Gottes Herrlichkeit im Himmel; denn sein Frieden ist herabgekommen auf die Erde zu den Menschen, die er erwählt hat und liebt.“ Das ist der Unterschied zwischen menschlicher Gleichgültigkeit und himmlischer Begeisterung. Die Engel im Himmel, die priesen Gott. Der Himmel ist der einzige Ort, wo wirklich Weihnachten gefeiert wird. Zum zweitausendsten Mal und immer noch mit atemlosen Staunen und himmlischen Lobgesängen. Die Engel priesen Gott und rufen heute wie auf dem Feld bei den Hirten: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ Denn sein Frieden ist zu uns gekommen. Nicht zu den Menschen guten Willens und nicht zu den Menschen, die ihm gefallen, sondern als Retter der ganzen Welt. Darum ist Gottes Herrlichkeit groß im Himmel! Sehen wir das Kind in der Krippe und Magier und Hirten darum versammelt, verstehen wir, dass Gott keinen Unterschied mehr macht. Alle Menschen sind ihm gleich wichtig! Nicht was wir darstellen, erwirtschaften, vorweisen können, zählt, sondern alleine Christus zählt und was wir ihm bedeuten.


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