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dpa©Fumiyasu Nakatsuji

Tsunami, Tod und Trost Wie unsere Missionare die Katastrophe in Japan erleben

Es wäre schon komisch, jetzt wieder Japan zu verlassen, nachdem wir erst seit ein paar Wochen wieder hier sind“, sagt Jörg Eymann. Er und seine Frau Dorothea arbeiten seit vierzehn Jahren als Missionare der Allianz-Mission in Japan. Durch eine Krankheitszeit waren sie viele Monate in Deutschland und sind erst im Februar dieses Jahres wieder zurückgekehrt. „Aber wenn es Gottes Wille ist“, fügt Jörg hinzu, „dann gehen wir, und dann ist es gut so.“

Missionare gehen in diesen Tagen durch ein Wechselbad der Gefühle. Manche möchten bleiben, fühlen sich nicht bedroht und wollen ihre Gemeinden in dieser schweren Zeit nicht allein lassen. Andere möchten nach Deutschland zurückkehren, werden mit der Belastung durch die Katastrophe und die drohenden Folgen emotional nur schwer fertig. Besonders die Mitarbeiter der Missionsgesellschaften, deren Arbeitsgebiet bei Tokio und damit relativ nahe am Katastrophengebiet liegt, neigen vielfach zum Gedanken der (vorübergehenden) Rückkehr. Es braucht viel Weisheit der Verantwortlichen in den Missionsgesellschaften, um zu raten, ohne zu bevormunden. Und in Verantwortung vor Gott abzuwägen zwischen Sicherheitsaspekten und der besonderen Beziehung zu den anvertrauten Menschen.

Unsere zwölf Langzeitmissionare der Allianz-Mission haben miteinander und jeder für sich die Entscheidung getroffen, bis auf weiteres im Land zu bleiben.
Carsten und Iris Berners sagen: „Wir wissen, wir können frei entscheiden, und wie immer wir uns entscheiden wissen wir: Die Mission steht hinter uns. Aber wir schätzen unsere Situation zurzeit nicht so ein, dass wir gehen sollten.“ Die Allianz-Mission ist in der ganzen Zeit im intensiven Kontakt und Austausch mit ihren Leuten in Japan. Unser Arbeitsgebiet Nagoya liegt etwa 200 Kilometer südlich von Tokyo und gehört damit zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zum unmittelbar bedrohten Gebiet. Sollten sich die Ereignisse dramatisch zuspitzen, werden die Missionare erneut prüfen und entscheiden, ob sie für einige Zeit das Land verlassen.

Anders verhält es sich mit den neun Kurzzeitmissionaren der Allianz-Mission. Sie sind bereits seit Tagen zurück in Deutschland. Vom ersten Tag der Katastrophe an waren die Mitarbeiter der Allianz-Mission mit den jungen Leuten und ihren Betreuern im Gespräch. Nach einer Sitzung des Krisenstabes am „Tag 1 nach der Katastrophe“ haben wir jedem die Möglichkeit eröffnet, sofort zurückzukommen. Die Allianz- Mission hat dafür die Kosten übernommen. Einige machten davon sofort Gebrauch, die anderen wurden zwei Tage später von der Mission gebeten, nach Deutschland zurückzukommen. Manche dieser jungen Menschen haben das Erlebte gut verkraftet, andere haben noch mit sehr gegensätzlichen Gefühlen zu kämpfen. Einerseits wären sie gerne bei ihren Freunden in Japan geblieben, andererseits sind sie erleichtert, wieder in Deutschland zu sein. Ich habe die Gruppe direkt nach ihrer Ankunft bei uns willkommen geheißen und allen Kurzzeitmitarbeitern und ihren Eltern den herzlichen Dank und die volle Unterstützung der Allianz- Mission zum Ausdruck gebracht. Sie erhalten bei uns für längere Zeit gute fachliche Nachbetreuung und Begleitung.

Bis zum Redaktionsschluss läuft das öffentliche und private Leben in der Region Nagoya relativ normal. Die Schulen haben geöffnet, die Menschen gehen zur Arbeit. Viele Japaner, Christen und Nichtchristen, tragen die Ereignisse mit erstaunlicher Ruhe und Disziplin. Aber es gibt auch andere: Sie zeigen es nicht nach außen, sind aber im Inneren sehr betroffen und aufgewühlt. Das gilt besonders für diejenigen, die Verwandte und Angehörige im Erdbebengebiet haben und in quälender Ungewissheit leben. Andererseits können die japanischen Christen nicht richtig verstehen, warum Missionare das Land verlassen. Sie können auch die ganze Diskussion in Deutschland schwer verstehen. Und im Blick auf Bedrohungen und die zu erwartenden Folgen der Reaktorkatastrophe bleiben sie äußerlich ruhig, aber schwanken innerlich zwischen Hoffen und Bangen.

Unsere Missionare haben es in dieser Situation nicht leicht. Sie fühlen sich nicht direkt bedroht, hören aber die Nachrichten aus Deutschland und erhalten besorgte Anrufe von Freunden. Sie möchten ihre japanischen Geschwister nicht im Stich lassen, wollen aber auch nicht verantwortungslos handeln. Die Missionare haben der Bundesleitung des japanischen Bundes das Mitgefühl und die Anteilnahme der Christen aus den FeGs in Deutschland zum Ausdruck gebracht. Die Japaner haben das als Ermutigung und mit Dank aufgenommen. Wir haben ihnen auch mitgeteilt, dass es viele Christen in Deutschland gibt, die gerne bereit sind, Japaner für einige Zeit als Gäste aufzunehmen, die wegen der Katastrophe das Land verlassen möchten. Aber dieses Angebot stößt auf nur wenig Verständnis. Kaum einer denkt daran, das Land zu verlassen.

Inzwischen laufen die Hilfsmaßnahmen an. Das ganze Ausmaß der Zerstörungen im Erdbeben- und Tsunami-Gebiet lässt sich überhaupt noch nicht abschätzen. Wir wissen, dass es in dem betroffenen Gebiet etwa 700 christliche Gemeinden gibt. Wie viele Gemeinden jedoch direkt betroffen sind, wie groß die Zerstörungen an Gebäuden und der Verlust an Menschenleben sind, kann noch niemand überblicken.

Allianz-Mission und Katastrophenhilfe des Bundes FeG arbeiten mit einer großen christlichen Hilfsorganisation in Japan zusammen, die der Evangelischen Allianz und unseren Gemeinden nahe steht. Zurzeit werden Hilfslieferungen und Einsatzteams zusammengestellt. Erste Lieferungen und Trupps sind im Katastrophengebiet angekommen. Materiallieferungen aus Deutschland sind kaum nötig. Das können die Japaner selber abdecken. Spendengelder sind jedoch sehr willkommen, weil ungeheure Zerstörungen zu beklagen sind. Auch wir als Allianz- Mission haben schon jetzt erhebliche Ausgaben und hohen Einsatz der Mitarbeiter durch die Katastrophe. Wir überlegen, ob wir einen deutschen oder japanischen Mitarbeiter anstellen, der schwerpunktmäßig bei den Hilfeleistungen eingesetzt wird.

In dieser extrem spannungsgeladenen und leidvollen Situation rufen wir Sie zur Fürbitte für unser Partnerland Japan auf. Auch unsere Missionare brauchen dringend Ihre Gebete. Beten Sie für die Missionare und die Leitung der Allianz- Mission, damit sie weise Entscheidungen treffen. Beten Sie für die Christen in unseren japanischen Gemeinden, dass sie mit den ungeheuren Belastungen durch die Krise fertig werden und dass sie im Glauben an Jesus Halt und Hilfe finden. Und beten Sie für das japanische Volk mit seinen 127 Millionen Einwohnern, dass sie durch die schwere Krise aufgeschlossener werden, nach Gott zu suchen.

Erhard Michel ist Leiter der Allianz-Mission des Bundes Freier evangelischer Gemeinden.


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