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Von Ansgar Hörsting


VerBUNDen Wenn wir wissen, wer wir sind, können wir tun, wozu wir berufen sind

Altpräses Peter Strauch hat mit seinem Buchtitel „Typisch FeG“ einen prägnanten Begriff eingeführt. In diesem Buch geschieht zweierlei: Es beschreibt, was Freie evangelische Gemeinden sind, und es prägt anhand biblischer Lehre, was Freie evangelischen Gemeinden sein sollen.

Es knüpft an eine ganze Reihe von Büchern an, in denen immer beides geschah: Beschreibung des Bestehenden und Prägung der Zukunft. Für diese Fußstapfen bin ich dankbar.
Manche Stimmen behaupten, es gebe kein FeG-Profil. Diese und weitere Literatur zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist. Wenn wir uns als Bund FeG zurückhalten, lange Ausführungen zu formulieren, die für alle Zeiten und alle Gemeinden verbindlich sind, dann hat das gute Gründe, bedeutet jedoch nicht, dass es nicht so etwas gebe wie „typisch FeG“. Es muss jedoch immer wieder neu beantwortet werden. Und jede Generation muss auch neu für diese Einsichten gewonnen werden.

Gründe, um neu zu fragen
Die aktuelle Notwendigkeit einer Orientierung dazu ist durch einige Faktoren gegeben:
• Viele neue Gemeinden, die entstehen und zum Bund FeG dazu kommen. Sie bereichern den Bund FeG und sie machen ihn bunter.
• Viele neue Mitglieder aus verschiedenen Traditionen, die ihre Überzeugungen und Gewohnheiten mitbringen. Unter der Maxime der Gewissenfreiheit des Einzelnen entstehen dann vor Ort manchmal Richtungskämpfe, die viel Kraft kosten.
• Die Entwicklungen vor Ort verändern auch das Geschehen und Denken „im Bund“, denn der Bund besteht aus den Ortsgemeinden.
• Identitätsstiftende Elemente wie „Christsein Heute“, gemeinsames Liedgut u.ä. sind nicht mehr so durchdringend vorhanden, wie in früheren Generationen.
• aktuelle Stichworte, die in unseren Gemeinden kursieren: Missionale Gemeinde, Gesellschaftstransformation, gesellschaftsrelevanter Gemeindebau. Sind das unsere Themen? Sollen sie es werden?

Mehr als reine Theorie
Manch einer mag es zunächst für überflüssig halten, sich solche Fragen zu stellen. Haben wir nichts Wichtigeres zu tun? Sind solche Fragen nicht „blanke Theorie“? Betreibt man mit dieser Frage nicht doch nur Nabelschau? Ja das tun wir, wenn wir bei diesen Fragen stehen bleiben. Nein, wenn es darum geht, sich im Klaren über sich selber zu sein, um dann das zu tun, wozu man geschaffen und von Gott berufen wurde. Die Bibel ist übrigens voll von Theorie und sich daraus ableitender Praxis. Seinen Jüngern sagt z.B. Jesus, wer sie sind, nämlich Salz und Licht.
Daraus folgt, was sie tun sollen: In der Welt kraftvoll wirken und in der Finsternis leuchten. Und den Gemeinden schreibt Paulus, dass sie „Erwählte Gottes“ sind. Sie sind kein Interessenclub, sondern unter der Herrschaft Gottes zusammengestellte Menschen. Nicht ihre Wahl, sondern Gottes Wahl ist entscheidend. Daraus folgt, dass neidvolle Parteiungen und egozentrische Profilierungsversuche keinen Platz haben sollen.

Konkret
Wer sind wir also? Einige Fundamente teilen wir mit vielen anderen Christen. Dazu zählt das Bekenntnis zur Bibel als Gottes Wort, das für uns verbindliche Grundlage für das gesamte Leben ist. Auch das apostolische Glaubensbekenntnis als ein Bekenntnis zu dem dreieinen Gott teilen wir mit allen Christen. Mit allen „Evangelischen“ sagen wir Ja zu dem reformatorischen Erbe. Uns prägen insbesondere reformierte Tradition und unsere Wurzeln in der Erweckungsbewegung des 19.Jahrhunderts. Wie ein Mensch auch ein Ergebnis seiner Geschichte ist, so auch wir als Bund FeG. Wir sind, was wir geworden sind. Ein wichtiges Kennzeichen verbindet uns mit den evangelischen Freikirchen und trennt uns von den sogenannten Volkskirchen. Wir verstehen Gemeinde als „Gemeinde nur von Glaubenden“.

Die Mischung ist es
Wenn man weiter danach fragt, was denn dem Bund FeG und seinen Gemeinden eigen ist, findet man wiederum Elemente, die auch in anderen Freikirchen anzutreffen sind. Was daran „typisch FeG“ ist, ist die ganz eigene Mischung.

• Die Betonung des Glaubens ist uns ganz besonders wichtig. Durch den Glauben an Jesus wird ein Mensch Christ. Er muss umkehren und empfängt darin, durch Gottes Geist bewirkt, neues Leben.
• Wir lehren und praktizieren die Taufe von Glaubenden, diese Praxis ist für uns aber kein Kriterium der Mitgliedschaft.
• Das Abendmahl ist eine besondere Gemeinschaft derer, die an Jesus glauben.
• Gottes Wort ist uns wichtig, zugleich der Respekt vor dem an dieses Wort gebundene Gewissen des Einzelnen, was sich in der Tauffrage, aber auch anderen Erkenntnisfragen zeigt. Hier liegt jedoch auch immer wieder Klärungsbedarf: Wo liegt die Grenze dieser Respektierung des Gewissens des Einzelnen? Oder anders gefragt: Wo geht es um Erkenntnisfragen, die eine große Freiheit und Vielfalt erlauben, und wo um zentrale Fragen oder einfach um Sünde? Um diese Frage kommen Gemeinden nicht herum.
• Den Bund FeG beschreiben wir als geistliche und verbindliche Lebens- und Dienstgemeinschaft von selbstständigen Ortsgemeinden.
• Jeder Mensch hat durch Christus Zugang zu Gott, so dass es keiner menschlichen Vermittlung bedarf. Das ist es, was wir unter allgemeinem Priestertum verstehen.
• Gemeinde ist Gemeinde Jesu und ist auch Gemeinde der Glaubenden, nicht durch Entschluss, sondern durch Gottes Wirken. FeGs sind also offen für alle Glaubenden – aber nur für Glaubende. An diesem Punkt tun sich spannende Fragen in modernen und sehr missionarischen Formen des Gemeindebaus auf, in denen diese scharfe Trennung, wie wir es gewohnt sind, manchmal nicht gemacht wird. Dabei ist die Trennung in Fragen des Glaubens sehr wohl klar, aber nicht die Frage der „Zugehörigkeit“. Der Begriff der „Mitgliedschaft“ wird hinterfragt.
• Für FeGs ist Glaube immer Vertrauen in Christus, gelebte Nachfolge, die in der Liebe tätig ist. Ein Glaube, der reduziert wird auf ein rein formales Zustimmen zu Sätzen, ist für uns nicht im Neuen Testament zu erkennen. Wir betonen den Glauben des Einzelnen, ohne individualistisch zu sein.
• Schließlich und in dem allen gehört zu uns, dass wir uns als eine missionarische Bewegung verstehen. Das heißt wir wollen unterwegs zu den Menschen sein, ihnen in Wort und Tat Christus bezeugen.
• Wir sind missionarisch, evangelistisch, sozialdiakonisch und gründen neue Gemeinden.

All diese Faktoren finden sich, wenn auch nicht immer wörtlich, so doch der Sache nach, in der Präambel und in der Verfassung des Bundes FeG. Was ist nun, auf den Punkt gebracht, einzigartig an FeGs? Es ist zum einen das besondere Gemisch der genannten Eigenarten. Viele Faktoren teilen wir mit anderen – aber die besondere Mischung ist typisch FeG. Zum anderen ist es die bewusste Betonung von missionarischer Gemeinde vor Ort! Und drittens gehört dazu die Betonung des Glaubens. Dafür nehmen wir auch schon mal in Kauf, dass wir das eine oder andere, z.B. die Taufe, nicht so sehr betonen. Wenn der in der Liebe tätige und als Nachfolge Jesu verstandene Glaube zu finden ist, wird anderes unwichtig.

Evangelisch und evangelikal
Dass wir „evangelisch“ sind, ist unumstritten. Aber sind wir auch „evangelikal“? Ich denke, wir sollten es sein. Mir ist klar, dass dieses Etikett in der Öffentlichkeit zum Teil negative Assoziationen hervorruft und dass der Inhalt unterschiedlich definiert wird. Dennoch sehen wir darin insgesamt eine positive und Klarheit schaffende Aussage zu Grundwerten und Glaubensaussagen, die in der evangelischen Welt so nicht immer zu finden sind. Die Kurzdefinition „intensiv evangelisch“ ist mir sympathisch. Dr. Rolf Hille, ehemaliger Vorsitzender der Evangelischen Allianz, meinte: „Wir werden nicht nur als Evangelikale etikettiert, sondern wir sind es auch. Wir sollten um die Probleme und Gefährdungen des Evangelikalismus wissen und gerade in diesem Wissen an unserer evangelikalen Identität festhalten. Das geschieht am besten dadurch, dass wir offensiv den Begriff ‚evangelikal‘ biblisch profilieren und geistlich mit Leben füllen“4 Dem schließe ich mich an. Zugleich aber gilt: Nicht das Etikett ist entscheidend, sondern der Inhalt. Und mancher, der das Etikett scheut, ist uns vielleicht inhaltlich näher, als mancher sogenannter „Evangelikaler“.

Und nun?
Wenn ich weiß, wer ich bin, kann ich tun, wozu ich berufen bin. Wenn das Fundament klar ist, kann man in die Höhe bauen. Wenn wir unsere Berufung kennen, dann wird die Tat folgen. Oder im Bild des Baumes gesprochen: „Wenn der Baum mit eindeutigem Erbgut gepflanzt ist, wird die Frucht nicht lange auf sich warten lassen. Dies möchte ich mit wenigen Leitlinien beschreiben.

Nicht von der Welt
Wir sind fremd und wir sind frei in dieser Welt. Wir sind anders bezüglich der Werte, die wir haben. Wir leben aus einer anderen Quelle. Das führt dazu, dass wir manchmal auffallen. Es führt dazu, dass wir von Werten überzeugt sind, die in der Öffentlichkeit nur mit Kopfschütteln, Aggressivität oder Verunglimpfung kommentiert werden (z.B. bezüglich Homosexualität, Abtreibung). Es führt dazu, dass wir Nachteile in Kauf nehmen, z.B. finanzieller Art durch ehrliche Rechungen u.ä. Als FeGs sollen wir uns nicht anbiedern.
Manche verstehen ihren Glauben als Fahrt im U-Boot: Untertauchen und hoffen, dass sie nicht bemerkt werden. Die Jahreslosung 2011 ist ein Exempel dafür, dass und wie wir uns unterscheiden sollen: Das Böse mit Gutem überwinden (Römer 12,21), den Feind segnen. Wenn Gottes Reich an erster Stelle steht, dann steht es in Konkurrenz zu anderen Mächten. Das führt zu Konflikten und fällt auf. Das sollte uns nicht überraschen.

In der Welt
Als gerechtfertigte Sünder und in die Welt gesandt – so sind wir ehrlicherweise immer auch (nicht nur) Kinder der Zeit. Wir sollen uns nicht so sehr in unwichtigen Fragen unterscheiden (z.B. Kleidung, Sprachschatz, Vereinszugehörigkeiten), sondern vor allem in den Wichtigen. Unter dieser Prämisse hat sich in den letzten Jahren die Art und Weise, wie Gemeinde und Mission gedacht wird, verändert. Gemeinde bringt sich als ein Teil der Welt in die Gesellschaft ein, grenzt sich nicht unnötig ab, sondern kooperiert z.B. mit städtischen Institutionen. Missionale Gemeinde ist Gemeinde, die in allem, was sie tut, in die Welt gesandt ist. Nicht nur Sammlung wollen wir sein, wir wollen auch die Sendung bewusst leben. Damit werden wir „gesellschaftsrelevant“ oder sogar „Gesellschaft transformierend“.
Bei solcher Begrifflichkeit kann einem schon mal schwindelig werden. In der Sache sehen wir darin begrüßenswerte, lebendige Ansätze eines alten Grundanliegens Freier evangelischer Gemeinden: Gemeinden in der Welt zu sein und missionarisch- diakonisch zu wirken.

Die Kunst von beidem
Diese beiden Leitlinien brauchen einander und korrigieren sich gegenseitig. Wir sind nicht von der Welt, aber wir sind in der Welt. Wir brauchen beides und so wird es auch im Gebet von Jesus zusammengefasst (Johannes 17). Manche beschäftigt eine Beobachtung, die jemand in einem Brief an mich folgendermaßen pointiert und fragend zusammenfasste: „Nicht mehr dass Menschen in den Himmel kommen steht heute an erster Stelle, sondern dass der Himmel auf die Erde kommt.“
Ist das so? Und war es früher so ganz anders? Wie auch immer die Analysen aussehen mögen, wenn etwas an erster Stelle steht, dann ist es Jesus Christus selber – er als Person. Von ihm hören wir das Gebot, das er über alle erhebt: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften. Und das andere ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Markus 12,29-31). Das steht an erster Stelle. Und das heißt: Wenn wir früher nur, d.h. ausschließlich für den Himmel retten wollten, dann war es zu wenig.
Wenn wir heute ausschließlich den Himmel auf die Erde bringen wollen, dann ist das ebenfalls zu wenig. Die Antwort muss doch heißen: Wir sollen Gott und den Menschen lieben. Das bedeutet dann, dass wir Gottes Reich auch auf dieser Erde suchen, danach trachten. Und genauso bedeutet es, dass wir die Botschaft von Jesus sagen, die natürlich ganz wesentlich Rettung und Trost über den Tod hinaus enthält. Und aus Liebe zu Gott und den Menschen werden wir uns in unsere Gesellschaft einbringen. Und wir werden es tun, ohne die Aussagen über Hölle, Gericht, ewiges Leben und eine zukünftige Welt Gottes zu vernachlässigen. Meine dringende Mahnung lautet: Keine falschen Alternativen an diesen wichtigen Stellen.

Gemeinsam
Es gehört zu den FeGs, dass jeder selber glauben und nachdenken soll. Deswegen werden wir darüber sprechen, was „FeG“ bedeutet. Es gehört auch zu uns, dass wir uns dann gemeinsam auf den Weg machen. Dass dies an so vielen Stellen geschieht, ist ein großes Geschenk. Junge und Alte, Ehren- und Hauptamtliche ziehen gemeinsam an einem Strang. Das ist für mich eine starke Erfahrung, und es ist „typisch FeG“.


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