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Von Peter Strauch DD


4 Minuten für Weihnachten

Zuerst sah ich sie in Amerika: Stimmungsvolle Kaminfeuer mit kleinen, züngelnden Flammen, die sich bei näherem Hinsehen als unecht herausstellten. Auf Abstand wirkten sie kuschelig und vermittelten ein Gefühl von Geborgenheit, aber wer an den Kamin herantrat und sich am Feuer wärmen wollte, sah sich getäuscht. Die Flammen wurden elektrisch erzeugt. Es handelte sich um eine fast perfekte technische Nachbildung.

Mit Weihnachten geht es vielen von uns ähnlich. In der adventlichen und weihnachtlichen Zeit erinnern wir uns an unbekümmerte Kindertage und sehnen uns nach einer eher unrealistischen Geborgenheit. Aber wie lässt sich diese Sehnsucht stillen? Manche versuchen es mit Nachbildungen. Wer Geld hat, richtet sich festlich in einem Schweizer Berghotel ein, andere versuchen es mit der entsprechenden Dekoration und Musik in den heimischen Gefilden. Aber wie auch immer, es will uns nicht so recht gelingen. Da bleibt eher ein schales Gefühl des Unechten, und die Trauer darüber, dass die mühsam erworbene Stimmung ja ohnehin schnell vorübergeht.

Geben Sie mir vier Minuten? In dieser Zeit möchte ich Ihnen gerne sagen, dass Weihnachten kein nostalgischer Ausrutscher oder billiger Verkaufstrick sein muss. Das Weihnachtsfest kann zu einer eindrücklichen und lebensverändernden Erfahrung werden.

Zunächst mal:
Es gibt einen Gott, der alles ins Dasein rief – auch Sie und mich. Trotz seiner Größe verliert er uns nicht aus den Augen. Mehr noch, er liebt uns – und zwar persönlich. Leider sind wir nicht das geworden, was wir sein sollten. Die Sünde kam dazwischen, und sie ist kein kleiner Ausrutscher, sondern eine überaus tragische Fehlentscheidung mit verheerenden Folgen. Auf den ersten Seiten der Bibel wird sie beschrieben.

Sie meinen, das mit der Sünde hätte nicht passieren dürfen? Schließlich hätte der allmächtige Gott einen fehlerlosen Menschen konstruieren können? Recht hätten Sie, hätte Gott eine Maschine gewollt. Aber weil er ein liebender Gott ist, hat er liebenswerte Persönlichkeiten geschaffen – sozusagen als sein Gegenüber: Menschen, die sich ihm zuwenden und ihn wiederlieben. Sünde ist das genaue Gegenteil davon, egozentrisches Machtgehabe mit schlimmen Auswirkungen auf allen Ebenen des menschlichen Lebens. Sie ist wie ein Dammbruch, der alles wegspült und aus dem wir uns selbst nicht mehr retten können. Die Folgen sind offensichtlich. Wir finden sie in jeder Nachrichtensendung. Eigentümlich, obwohl uns die Vernunft sagt, dass wir so nicht weitermachen dürfen, wird unser Verhalten von einem zerstörerischen Programm regiert. Obwohl uns einleuchtet, dass nur gegenseitige Wahrhaftigkeit Vertrauen schafft, lügen wir; und obwohl wir wissen, dass ein Leben auf Kosten anderer uns alle ärmer macht, legen wir unseren Egoismus nicht ab. Sie können das selbst testen: Schreiben Sie sich zu Beginn einer Woche auf, wie Sie vernünftigerweise zu leben gedenken, und kontrollieren Sie am Wochenende, ob es Ihnen gelungen ist.

Die Bibel nennt diesen Zwang zum Bösen „Sünde“. Er zerstört unser Leben, und was noch schlimmer ist, er trennt uns von Gott. Mag sein, dass Sie kein religiöser Mensch sind und mit der Kirche nicht viel anfangen können. Aber wer Sie auch sind, Sie sind ein von Gott gewolltes und geschaffenes liebenswertes Geschöpf und tragen in sich eine unerklärliche Sehnsucht nach ihm. Diese Sehnsucht äußert sich in der Suche nach Liebe und Geborgenheit, nach etwas wirklich Gutem und Reinem, und sie lässt sich weder mit beruflichen Positionen und Anerkennung, noch mit guten familiären Beziehungen wirklich stillen. Aus der Sünde gibt es keinen Ausweg. Sie hat uns alle infiziert. Die Lage ist hoffnungslos.

Und nun stellen Sie sich vor: In diese Situation hinein machte sich vor ca. 2000 Jahren der große Gott auf den Weg zu uns kleinen Menschen. Er wurde ein kleines Kind, geboren in Bethlehem. Jesus war sein Name. Das Kind wuchs auf und wurde erwachsen. Etwa drei Jahre war Jesus auf den Straßen Palästinas unterwegs und erzählte den Menschen von seinem Vater im Himmel, heilte die Kranken und kümmerte sich besonders um die Gescheiterten und Versager. Auch wer in den Augen anderer unbedeutend war, war für ihn bedeutend und liebenswert. Und er sagte: So ist mein Vater im Himmel. Wer mich sieht, der sieht ihn, und wer mich hört, der hört ihn. Mit anderen Worten: Wer heute nach Gott fragt und ihn kennenlernen will, der muss auf Jesus sehen. Dort lernt er Gott wirklich kennen.

Aber Jesus wurde verurteilt und hingerichtet. Er starb wie ein Schwerverbrecher. Doch mit seinem Tod scheiterte nicht seine Liebe zu uns Menschen. Im Gegenteil, Jesus starb stellvertretend für uns. Krippe und Kreuz gehören zusammen. Es gibt keine Weihnachtsfreude ohne Karfreitag. Und die Geschichte von Jesus endete nicht auf dem Friedhof. Am dritten Tag verließ er das Grab. Er lebt – auch während ich diesen Artikel schreibe und Sie ihn lesen.

Sie können das nicht glauben? Mag sein, aber vergessen Sie nicht: Es gibt viel mehr als das, was uns in den Kopf geht. Auch unser Erfahrungshorizont ist kein Maßstab für das, was wirklich existiert. Wer seine Vernunft und Erfahrung zum Maßstab der Wirklichkeit macht, schneidet sich von dem Leben ab, das Gott ihm geben will. Er wird Weihnachten nie wirklich erleben.

Geben Sie sich also nicht mit nostalgischen Nachbildungen der Weihnachtsfreude zufrieden. Ob weihnachtliches Musikantenstadl oder klassisches Weihnachtsoratorium, ob volkstümlich oder eher anspruchsvoll, wenn der Kern nicht echt ist, bleibt alles leer und schal. Jesus sagt: „Wer an mich glaubt, der wird leben“, und damit meint er nicht nur pulsierendes Blut in unseren Adern, sondern Leben mit einer Tiefe und Geborgenheit, wie wir es normalerweise nicht erfahren. Ein solches Leben beginnt, wenn sich ein Mensch Gott anvertraut, und es bleibt selbst dann erhalten, wenn unser Herz aufhört zu schlagen.

Ich weiß, die vier Minuten sind um. Aber in der fünften Minute könnte das geschehen, was nicht nur die Weihnachtstage, sondern Ihre ganze Zukunft verändert. Darf ich es ganz einfach und persönlich sagen? Ein echtes Weihnachtsfest beginnt mit dem Glauben an Jesus. Am besten starten Sie, indem Sie beten. Dabei müssen Sie nicht in Ihrer Vergangenheit kramen, ob Ihnen irgendetwas Kluges zum Beten einfällt. Sprechen Sie Jesus einfach mit Ihren Worten an. Dabei können Sie ruhig ins Stottern kommen. Die Worte sind nicht wichtig, nur ehrlich müssen sie sein. Danken Sie Jesus, daß er für Sie auf die Erde kam. Bitten Sie ihn um die Vergebung Ihrer Sünde. Sagen Sie ihm, daß Sie ihm gehören wollen. Legen Sie Ihr Leben in seine Hand. Und falls Sie dann nichts spüren sollten, er gibt es Ihnen schwarz auf weiß in der Bibel: „Wer zu mir kommt, den stoße ich nicht weg!“ (Johannes 6, 37). Darauf können wir uns verlassen.

Peter Strauch DD war Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden und Vorsitzender der Evangelischen Allianz.


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