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Sind unsere Gemeinden vielleicht zu „deutsch“?

Wir Deutsche und Westeuropäer sind in unserer Gründlichkeit und Systematik oft darauf bedacht, eine Arbeit sehr gut vorzubereiten und auf Dauer zu planen und deshalb auch eine klare Methodik und Strategie zu entwerfen.

Von daher ist es verständlich, dass wir uns sehr oft vorwiegend mit den „Wie- Fragen“ beschäftigen. Sicherlich ist die Methodik bei der ganzheitlichen missionarischen Arbeit unter Migranten, besonders unter Muslimen, nicht unwesentlich. Dennoch: Ist unsere internationale Arbeit unter und mit Migranten nicht in erster Linie eine geistliche Herausforderung, die geistliche Antworten braucht? Sind manche Hindernisse der Integration, wie z.B. Ängste vor Fremden, mangelnde Gastfreundschaft, nicht in erster Linie geistlich lösbar?

Die Liebe ist erfinderisch und kann auch die notwendigen kulturellen Hindernisse überwinden. Wenn wir für Migranten ernst beten, dann sind wir jeweils auch bald mit der selbstlosen Liebe Gottes ihnen gegenüber erfüllt und können echte Gastfreundschaft üben. Ein muslimischer Leiter schrieb im Internet, dass die Liebe der Christen, die von ihnen am meisten gefürchteste missionarische Waffe wäre, gegen die Muslime nichts ausrichten könnten.

Die meisten Muslime haben sich nicht aufgrund von intellektuellen religiösen Debatten bekehrt, sondern weil sie von erlebter Liebe und Gottes übernatürlichem Eingreifen überwältigt wurden. Eine marokkanische Frau sagte mir vor kurzem, ihr sei Jesus erschienen, als sie in großen Problemen steckte. Nun befindet sie sich in Lebensgefahr vor ihren eigenen Landsleuten. Und sie erfährt nun ebenso ein geistliches Zuhause und eine Ersatzfamilie in ihrer Gemeinde. Das ist praktische Liebe, die überzeugt.

Ein Schöpfer und ein Erlöser

Trotz mancher Hindernisse gibt es auch reale Chancen. Eine Idee ist es, internationale Vereine zu beginnen, die im Auftrag von FeGs oder mehrerer Gemeinden eine Migrantenarbeit starten. Aus solchen Arbeiten können leicht fremdsprachige oder deutsche Bibelkreise, Hauskreise oder sogar ganze internationale Gemeinden entstehen. Am besten ist es natürlich, wenn FeGs bereits reife Gemeindeglieder mit Migrationshintergrund haben und sie dann in der Migrantenarbeit einsetzen. So wären die besten sprachlichen, kulturellen und geistlichen Voraussetzungen für solch eine Arbeit gegeben. Es würde sich gewiss an jedem Ort dann etwas anderes entwickeln.

Ich meine, dass wir Christen mit dieser Arbeit nicht generell überfordert sind. Wenn wir die Gemeindearbeit ansehen, wie sie uns in der Apostelgeschichte geschildert wird, könnten wir sagen, das gerade wir Christen dafür prädestiniert sind, solch eine versöhnende, integrative und internationale Arbeit unter und mit Migranten, in aller Schwachheit und dennoch in Gottes Kraft zu tun. Schließlich haben wir ja auch einen gemeinsamen Schöpfer, einen gemeinsamen Erlöser, der Menschen verschiedenster Völker und Sprachen in sein Volk beruft. Wir haben mit all denen, die dazu kommen, eine herrliche, gemeinsame und internationale Zukunft. Deshalb können wir schon jetzt uns auf dieses gemeinsame Ziel vorbereiten und darin einüben.

Dies wird in unseren Gemeinden geistliches Wachstum fördern und uns gemeinsam eine stärkere missionarische Stoßkraft verleihen. Die Liebe unter Menschen verschiedenster Herkunft und Sprachen wird ein Zeugnis sein – davon bin ich überzeugt. Wir können es uns deshalb nicht mehr weiter leisten, dort eine rein deutsche Gemeindearbeit zu pflegen, wo um uns herum Menschen anderer Sprachen und Kulturen leben. Unsere Mission beginnt bereits vor unserer Haustüre und sollte entsprechend Gottes Willen „kein Ansehen der Person“ haben.

Gute Erfahrungen

Bisher haben mehrere FeGs internationale Arbeiten angefangen. Etwa durch Zweiggemeinden wie zum Beispiel in Hamburg-Holstenwall oder in Nürnberg. Oder durch internationale Gottesdienste mit Übersetzungen in andere Sprachen, wie es die FeG Giessen und andere FeGs praktizieren. In der FeG-Region West sind eine ganze Reihe an internationalen, fremdsprachigen FeGs entstanden, wobei die FeG Köln-Lindental hier eine Vorreiterrolle hatte.

Nun gibt es bereits seit zwei Jahren eine ganze Reihe an solchen Gemeinden und einen Arbeitskreis für diese internationalen, fremdsprachigen FeGs im Westen. Die FeG Karlsruhe fängt nun beispielsweise mit Dr. Vimalasekarang eine neue Flüchtlingsarbeit an. Daraus könnte demnächst eine weitere fremdsprachige Zweiggemeinde in Karlsruhe entstehen. Auch in anderen FeGs sind solche Arbeiten angedacht oder bereits in Gang gekommen. Im Hebst 2011 hat eine erste dynamische, russlanddeutsche Gemeinde mit vielen jungen Leuten und mehr als hundert Gottesdienstbesuchern den Antrag auf Assoziierung mit unserem Bund gestellt.

Einige Mitarbeiter der Allianz- Mission sind dabei, internationale, fremdsprachige Gemeinden bzw. Zweiggemeinden zu gründen und zu betreuen. Da kann man die indonesischen Arbeiten von Anton Budiwidjaja und John Kusuma nennen, die mit ihren Frauen in Berlin, Hannover, Köln und an anderen Orten indonesische Gemeinden gegründet haben bzw. fördern.

Eine missionarische Arbeit ist durch Dinh van Le, einem vietnamesischen Mitarbeiter, entstanden. Er durfte mit seiner Frau und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern in Deutschland 13 Gruppen und Gemeinden und 15 weitere in anderen europäischen Ländern gründen. Die Früchte der Arbeit reichen bis nach Vietnam. Auch „Jonathan“, ein persischer Mitarbeiter der AM, hat viele Jahre in Deutschland gearbeitet und kann in den letzten Jahren einen gewissen Aufbruch unter Persern und Afghanen erleben. Diese Gruppen versammeln sich in Nürnberg, Dortmund, Darmstadt und Innsbruck.

Wichtige Impulse

Die Deutsche Evangelischen Allianz und auch die Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen haben die Migrantenarbeit in Deutschland zunehmend im Blickfeld. Im Mai 2011 fand in Essen ein erster Kongress mit 350 Personen aus 40 Ländern für diese Arbeit unter dem Thema: „Jesus verbindet“ statt. In 2013 soll aufgrund der guten Resonanz wieder ein solcher Kongress stattfinden. Wir, im Bund FeG und in der Allianz-Mission, haben im Herbst 2011 auch ein ähnliches Treffen mit 52 Teilnehmern aus 14 Ursprungsländern in Willingen durchgeführt. Es besaß das Thema: „Mission in Deutschland – ohne kulturelle Grenzen“. Für die Zeit vom 7. bis 9. September planen wir wieder eine solche Tagung im Haus „Hohegrete“ im Westerwald. Schon jetzt laden wir dazu herzlich ein.

Willi Ferderer ist Referent für Internationale Arbeit in Deutschland der Allianz-Mission und des Bundes Freier evangelischer Gemeinden.

Kontakt:
E-Mail: w.ferderer@allianz-mission.de
Internet: www.allianz-mission.de


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