» christsein-heute.de 

Von Benjamin Schäfer


Weihnachtslieder für Alt und Jung

Überlegungen zu einem musikalischen Miteinander im Gottesdienst

Die Lieder für einen Gottesdienst aller Generationen auszusuchen, ist nicht leicht. Junge Leute wünschen sich häufig Lieder, die sie in Jugendgottesdiensten singen. Viele ältere Geschwister erwarten Lieder, mit denen sie aufgewachsen sind. Darüber hinaus gibt es viele weitere, ganz unterschiedliche Erwartungen an Musik im Gottesdienst. Als Gottesdienstleiter oder Musiker wünsche ich mir, dass alle Gottesdienstbesucher durch die Musik angesprochen werden. Es gibt je nach Gemeindesituation sicher unterschiedliche Wege und Ansätze, um ein Miteinander zu erreichen.

 Diese Schwierigkeit zeigt sich in der Adventsund Weihnachtszeit etwas anders als im großen Rest des Jahres. Eine große Zahl von Liedern, die in dieser Zeit traditionell gesungen werden, ist bei allen Generationen akzeptiert und beliebt.

 Ich bin in der Freien evangelischen Gemeinde Dautphe groß geworden. Dort wird jedes Jahr an Heiligabend die Sonntagschulweihnachtsfeier mit dem Lied „Welch ein Jubel, welche Freude“ beendet. Bis heute bekomme ich bei diesem Lied eine Gänsehaut. Ich verbinde damit den Beginn des Weihnachtsfestes und ich liebe dieses Lied wegen meiner Erfahrungen, die ich seit Jahren mit dem Singen des Liedes verbinde.

 Am ersten Weihnachtsfeiertag trifft sich traditionell die Familie meiner Frau. „Unter dem Weihnachtsbaum“ werden dann gemeinsam Weihnachtslieder gesungen. Ein wenig belächeln wir Jüngeren diesen Brauch, aber ehrlich gesagt, ist es wunderschön, sich gemeinsam die Frohe Botschaft zuzusingen und so Gemeinschaft zu erleben. Diese Treffen sind nur möglich, weil es Lieder gibt, die alle kennen und können, wie „Stille Nacht“ oder „O du fröhliche“. Ähnliche Erfahrungen haben wohl viele Menschen aller Generationen gemacht.

 Gerade Menschen, die selten Gottesdienste besuchen, gehen zu Weihnachten in Kirchen oder Gemeinden. Für diese Besucher ist es sicher eine Hilfe, wenn ihnen vertraute Lieder gesungen werden.

 Aus diesen Gründen gehören traditionelle Lieder einfach zur Advents- und Weihnachtszeit. Sie haben ihre Berechtigung und würden von Menschen jeden Alters vermisst, wenn sie nicht gesungen würden.

Lieder durch alle Zeiten hindurch

 Andererseits fände ich es schade, wenn man zur Weihnachtszeit ganz auf neuere Lieder und moderne Formen der Musik verzichten würde. Neue Lieder sind wichtig. Nicht umsonst wird in Psalmen dazu aufgefordert, ein neues Lied zu singen. Ich habe gelesen, dass König Salomo 1.005 Lieder schrieb! Zu allen Zeiten wurden neue Lieder geschrieben und gesungen.

 Unsere Umwelt unterliegt einer ständigen Veränderung. Wir werden davon beeinflusst. Ebenso die Menschen, die wir erreichen wollen. Unsere Sprache entwickelt sich fortlaufend weiter. Auch die Musik verändert sich.

 Ich schätze das Lied „Wie soll ich dich empfangen“ von Paul Gerhardt sehr. Die Sprache ist ausdrucksstark und bewegend. Doch brauche ich Zeit, um zu verstehen, was die Textzeilen bedeuten. Mir tut es aber auch gut, Texte zu singen, die in einer zeitgemäßen Sprache verfasst sind und die ich ohne langes Nachdenken verstehe. Viele neuere Gemeindelieder tragen diesen Veränderungen Rechnung und passen textlich und musikalisch in die heutige Zeit, ohne dass die frohe Botschaft dabei vergessen oder verändert wird.

 Ähnlich geht es mir mit der Musik. Ich habe Musik studiert und weiß viele Stilarten zu schätzen. Als Jugendlicher habe ich im gemischten Chor „Ich steh an deiner Krippen hier“ gesungen. Das erforderte viel Arbeit. Aber als es dann klappte und klang, hat es sehr viel Spaß gemacht. Die Musik von Johann Sebastian Bach und vieler anderer Komponisten aus vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten ist fantastisch. Und doch höre ich im Alltag eher aktuelle Popmusik – wie es nachweislich die Mehrheit der Menschen in Deutschland tut. Ich merke: Wenn im Gottesdienst eine Band spielt und die Musik modern klingt, dann bewegt mich die Musik viel eher. Dadurch wird es mir leicht gemacht, Gott in der Anbetung zu begegnen. Darum wünsche ich mir moderne Musik im Gottesdienst. Außerdem können wir Menschen, die nicht mit Jesus leben, die Begegnung mit ihm möglicherweise erleichtern, indem wir die Musik nutzen, die Menschen auch in ihrem Alltag hören.

 Neuartige Musik zur Weihnachtszeit Wie lässt sich nun der Wunsch nach neuartiger Musik zur Weihnachtszeit umsetzen? Beim Blick in meine neueren Liederbücher stelle ich fest, dass sich dort relativ wenige Lieder finden, die ausdrückliche Weihnachtslieder sind. Doch gibt es etliche Lieder, in denen Jesus gedankt wird und die bezeugen, was er für uns getan hat. Dies beinhaltet natürlich auch die Weihnachtsbotschaft, wodurch diese Lieder sehr gut in die Vor- und Weihnachtszeit passen. Ich denke an Stücke wie „In Christ alone (In Christus)“ oder „Jesus Erlöser der Welt“.

 Viele neuere Lieder dienen ganz dem Lob und der Anbetung unseres Herrn. Natürlich passt dieses Lob auch im Advent und zu Weihnachten: „Ich will von deiner Liebe singen“, „Mighty to save“, „Dir gehört mein Lob“. Gerade, wenn ich daran denke, dass Gott Mensch wurde, möchte ich solche Texte singen.

 Eine weitere Möglichkeit modernere Musik einzubinden ist, traditionelle Lieder auf neue Art zu begleiten. Bei manchen Stücken ist das gar nicht kompliziert; allein eine veränderte Instrumentierung, z.B. mit Gitarre und Cajon, kann unglaublich wirken.

 Andere Lieder sind schwer in zeitgemäßer Form zu musizieren. Beispielsweise stehen in den Noten älterer Lieder häufig viele Akkorde – oft zu jedem Melodieton einer. Da populäre Musik anders gedacht und aufgeschrieben wird, stellt das für viele Instrumentalisten ein Problem dar. Darüber hinaus trägt die Fülle an Akkordwechseln zum weniger modernen Klang der Lieder bei. Im Gemeindeliederbuch „Ich will dir danken!“ - steht dazu ein Tipp für Gitarristen: „Die Spieler sollten sich ... auf die wichtigsten Griffe beschränken.“ Dies ist übrigens auch ein sehr nützlicher Hinweis zum Neu-Arrangieren von Liedern. Manchmal bietet es sich zudem an, Harmonien zu ändern. Diese Art der „Reharmonisierung“ kann sehr hilfreich sein, um eine schöne Melodie mit gutem Text in ein modernes Gewand zu hüllen.

 Eine ausgewogene Liedauswahl zu treffen und die Musik vorzubereiten, kann mühevoll sein und viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber dieser Aufwand lohnt sich! Denn unser Gott ist jede Mühe wert ist! Und bewusst ausgewählte Musik, die gut vorbereitet und liebevoll musiziert wird, überzeugt. Und macht auch noch Spaß!

Benjamin Schäfer (33) ist Grundschullehrer und Diplommusiker, er leitet die Leb*Los Band und gehört zur FeG Dautphe.


Noch keine Kommentare

Sie müssen eingeloggt sein um Kommentare zu schreiben


Christsein heute

... alles, was
Freie evangelische
Gemeinden bewegt!


Jetzt bestellen


Service

Der FeG-Shop

Bücher & anderes aus dem FeG-Kosmos:


Zum Shop>>>

Kontakt zur Redaktion

Sie möchten Kontakt mit uns aufnehmen? Dann klicken Sie doch bitte hier.

Lust auf mehr?

Weitere Zeitschriften aus dem Bundes Verlag

Informieren Sie sich hier über weitere Zeitschriften und Angebote des Bundes-Verlags.

 

© 2019 SCM Bundes-Verlag gGmbH - Impressum - Datenschutz - Kontakt