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Von Gerd Mankel


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thinkstock.de/Ron Chapple Studios

Das Kreuz als Zentrum unseres Glaubens

War jahrhundertelang in der Christenheit unumstritten, dass das Kreuz das Zentrum des Glaubens ist, wird das in letzter Zeit verstärkt bestritten. Irritierend daran ist vor allem, dass auch Theologen bestreiten, dass es notwendig gewesen sei, dass Jesus am Kreuz starb und sagen, dass man es Menschen nicht zumuten könne, an einen Gott zu glauben, der seinen eigenen Sohn am Kreuz „abschlachten ließe“; . So sagte der ehemalige Bonner Superintendent Burkhard Müller in einer Radioandacht des WDR: „Ich glaube nicht, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist.“


Und der Nürnberger Pfarrer Klaus Petersens predigte: „Die Botschaft Jesu war unabhängig von seiner Kreuzigung und daher glaube ich nicht, dass das Kreuz eine Heilsbedeutung hat.“ Und der auch von vielen Evangelikalen geschätzte Benediktinerpater Anselm Grün äußerte: „Der Kern der biblischen Botschaft ist: Gott vergibt uns die Schuld, weil er Gott ist, weil er barmherzig und gnädig ist. Und nicht, weil Jesus am Kreuz gestorben ist.“ Da in der Vergangenheit solche Gedanken oft mit Verspätung auch in den Freikirchen ankamen, ist es notwendig, dass wir uns als Freie evangelische Gemeinden an dieser Stelle positionieren. Können wir also das „Wort vom Kreuz“ (so Paulus in 1Kor 1,18) einfach streichen oder es in eine uns weniger schockierende Botschaft umdeuten? Nein, denn das Kreuz und damit auch das „Wort vom Kreuz“ ist das Zentrum unseres Glaubens. Verlieren wir das Kreuz, verlieren wir alles, weil es der einzige Weg ist, auf dem Gott uns mit sich versöhnen konnte (2Kor 5,19). Um das zu verstehen, müssen wir zunächst in den Blick nehmen, was es bedeutet, dass es zu Gottes ureigenstem Wesen gehört, heilig zu sein, so dass er oft auch einfach nur „der Heilige Israels“ (z.B. Jes 30,12) genannt wird. Statt „Gott ist heilig“ könnte man auch sagen: „Gott ist ganz anders“: Nämlich im Gegensatz zu uns Menschen völlig rein, oder wie es in 1Joh 1,5 steht: „Gott ist Licht und in ihm ist gar keine Finsternis“. Alles außer Gott ist dagegen unheilig und damit auch sündig, unrein und böse, was den Menschen als Sünder mit einschließt. Und wie die Sonne, weil sie die Sonne ist, alles verbrennt, was in ihre Nähe kommt, verbrennt Gottes Heiligkeit alles Unheilige in seiner Nähe (5Mose 4,24). Wichtig dabei ist, dass es nicht so ist, dass Gott den Sünder nicht in seiner Nähe dulden will (was er dann jederzeit auch anders entscheiden könnte), sondern dass er ihn als „der Heilige Israels“ nicht in seiner Nähe dulden kann. Wäre es anders, wäre er nicht mehr Gott, so wie die Sonne nicht mehr die Sonne wäre, könnte man sich ihr unbeschadet nähern. 

Gott und Mensch in der Zwickmühle



Wir können als unheilige und sündige Menschen dem heiligen Gott gegenüber darum nur wie Jesaja (Jes 6,5) bekennen: „Weh mir, ich vergehe“ oder wie Petrus bitten (Lk 5,8): „Geh fort von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch.“ Und Gottes erstaunliche Antwort auf diese Bekenntnis lautet dann: „Du hast recht, uns trennen Welten. Aber ich will trotzdem mit dir zu tun haben, weil du doch mein wertvolles und unendlich geliebtes Geschöpf bist.“ Wenn jemand sagt, dass Jesus nicht für unsere Schuld sterben musste, hat er das Gespür für Gottes Heiligkeit und die damit verbundene Unmöglichkeit, als sündiger Mensch zu ihm zu kommen, verloren. Doch jetzt hat Gott sozusagen ein Problem mit seiner eigenen Heiligkeit. Er will aus Liebe weiter mit dem Sünder zu tun haben, kann diesen aber wegen dessen Unheiligkeit nicht in seiner Nähe dulden, so wie es Habakuk 1,13 ausspricht: „Du hast zu reine Augen, um Böses mit ansehen zu können, und Verderben vermagst du nicht anzuschauen.“ Wie schon gesagt: Duldete Gott die Sünde bzw. den Sünder in seiner Nähe, wäre er nicht mehr Gott. Der einzige Weg, dass Gott und Sünder doch zusammenkommen, wäre, dass der Sünder so heilig und rein wird, wie Gott selbst ist, was er aber von sich aus niemals werden kann. Auch der Mensch sitzt also in einer Zwickmühle: Einerseits braucht er die Beziehung zu Gott als der „Quelle des Lebens“ (Ps 36,10), um leben zu können. Andererseits würde genau diese Beziehung ihn als Sünder töten. Wo ist der Ausweg aus den Zwickmühlen – der des Menschen und der Gottes? Gott selbst löste das eigentlich Unlösbare in Jesus Christus selbst, indem dieser als „der Heilige Gottes“ (Joh 6,69) in der „Gleichgestalt des sündigen Fleisches“ (Röm 8,3) als Mensch auf diese Erde kam, um die Strafe für unsere Schuld zu sühnen und damit unsere Schuld zu übernehmen. Dadurch wird der Glaubende zum Gerechtfertigten und Gerechten, der Unheilige zum Heiligen. 

Ist das Kreuz grausam?



Doch warum musste Jesus dazu sterben? Weil die Strafe für die Sünde der Tod ist (Röm 6,23) und es keine Vergebung der Schuld geben kann, ohne dass dafür Blut vergossen wird (Heb 9,22). Ist das grausam? Ja! Ist das ungerecht? Ja! So wie es schon im Alten Testament ungerecht war, dass Tiere stellvertretend als Sühne für die Schuld der Menschen sterben mussten. Doch ist Gott daran schuld? Nein, ganz gewiss nicht. Sondern der Mensch selbst hat sich in diese Sackgasse manövriert und der Tod übt seine grausame Herrschaft im Namen Satans aus. Darum stellt uns das ohne jede Frage grausame Geschehen am Kreuz deutlich vor Augen, wie schlimm es mit der Sünde steht und was es Gott in seiner Liebe gekostet hat, uns den Weg der Versöhnung zu öffnen.

Doch warum das Kreuz und nicht etwa eine damals auch übliche Steinigung? Paulus schreibt in Galater 3,13 davon, dass „jeder verflucht ist, der am Holz hängt“, wobei er sich auf eine Vorschrift im Gesetz aus 5Mose 21,23 bezieht, dass der Leichnam von verfluchten Hingerichteten an ein Holz gehängt wurde. Das überträgt er auf den Kreuzestod von Jesus „am Holz“ (1Pet 2,24), mit dem dieser den „Fluch des Gesetzes“ über den Sünder auf sich selbst genommen hat. Es war also notwendig, dass Jesus „am Holz“ (also am Kreuz) starb, um den Fluch Sünde wirksam brechen zu können.


Weil das "Wort vom Kreuz" denen, die gerettet werden, „Kraft Gottes“ist (1Kor 1,18), tun wir als Freie evangelische Gemeinden gut daran, an diesem rettenden Wort festzuhalten. Ansonsten gehören wir zu den „Toren“ (auch 1Kor 1,18), die nicht mehr in der Spur des Neuen Testaments sind und haben damit die rettende Kraft Gottes verloren. Darum sollten wir Galater 6,14 beherzigen: „Es sei aber fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus.“ 

Text_Gerd Mankel ist Pastor der FeG’s Diemelsee-Flechtdorf und Twistetal- Berndorf


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