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Von Dr. Arndt Elmar Schnepper


Mutig moderieren

Wie Gottesdienste von einer guten Leitung profitieren

 Sicher, es gibt natürlich auch verunglückte Moderationen. Jeder kennt sie, jeder fürchtet sie. Aber grundsätzlich gilt, dass die Moderation einen echten Qualitätsschub für jede kirchliche Veranstaltung bedeutet. Warum? Nun, ein solcher Gottesdienst nimmt den religiösen Horizont der meisten Menschen ernst.

 Gerade auf neue Gäste wirkt im Gottesdienst vieles fremd und bedarf näherer Informationen. Ohne diese bleibt der Sonntagvormittag für viele Besucher wie ein „unverständliches Buch“ oder gar ein „falscher Film“, den sie nicht recht verstehen. Zum Beispiel: Was ist ein Segen, was geschieht eigentlich beim Singen, was wird beim Abendmahl gegessen und getrunken und wofür ist überhaupt die Predigt da? Was ist eine Kollekte, warum soll man Geld geben und wozu wird es verwendet? Sicher sind das für Dauerbesucher alles Allgemeinplätze, aber solche Experten werden in unseren Gottesdiensten leider immer weniger.

 Die Erklärung ist darum nicht ein Anhängsel, das vernachlässigt werden kann, sondern ein dringender Dienst. Umgekehrt gilt natürlich auch: Wer wenig Wert darauf legt, dass neue, christlich unerfahrene Menschen in die Gottesdienste kommen und möglichst auch wiederkommen, der kann auf Moderation getrost verzichten.

Vermeintlich Langweiliges wird spannend

 Der Moderator erklärt aber nicht nur die gottesdienstlichen Elemente, er verbindet sie auch miteinander und setzt sie somit in Beziehung. Wo moderiert wird, können sich die einzelnen Elemente auf natürliche Weise zusammenfügen und ein größeres Ganzes bilden. Leider ist das Gegenteil viel zu oft der Fall. Da wird kommentarlos ein Teil an das andere gereiht. Lied folgt auf Gebet, Ankündigung folgt wiederum auf Lied und Predigt schließt an die Ankündigung an. Die Inhalte sind für sich genommen alle richtig und gut, aber ihnen fehlt eine nachvollziehbare Verknüpfung.

 Es mag Gottesdienste geben, wo all das nicht nötig ist, wo jeder Teilnehmer alles selber zuzuordnen weiß. Aber dort, wo zweifelnde Menschen gehalten und neue Besucher gewonnen werden wollen, ist es ungemein wichtig. Ohne moderierende Akzente wirkt vieles schnell statisch und kommt dementsprechend bleiern daher. Ernsthafte Langeweile droht sich breitzumachen. Ein geübter Moderator vermag hier kleine Wunder zu vollbringen: Im An- und Abmoderieren werden mit wenigen Worten die Bezüge der jeweiligen gottesdienstlichen Elemente zueinander hergestellt.

Direktives wird freundschaftlich

 Gottesdienste strahlen – ob wir es wünschen oder nicht – oft eine ziemlich autoritäre Atmosphäre aus. Wo gibt es das sonst, dass Erwachsene zwanzig, dreißig Minuten einer anderen Person ohne Widerspruch zuhören müssen? Und dann sogar noch auf Ansage von vorne Lieder singen und Gebete sprechen sollen? Jugendliche kennen diese Situationen aus der Schule, Erwachsenen ist ein solches Reaktionsmuster wohl hauptsächlich aus dem Berufsleben bekannt. Und da geschieht es freilich oft, weil man es einfach muss.

 Der Gottesdienst neigt also immer zu einer sogenannten „asymmetrischen Kommunikation“: Jemand sagt etwas, ohne dass der Hörende darauf angemessen reagieren könnte. Eine gute Moderation kann hier einen erfrischenden Ausgleich schassen. Im Gegensatz zu Predigern und auch Musikern stehen bei Moderatoren selten eigene Inhalte im Vordergrund. Ihre Aufgabe ist vielmehr funktional. Wenn sie sprechen, wollen sie verbinden: die Inhalte untereinander und die Inhalte mit den Zuhörern.

 In ihren kurzen Äußerungen können sie alles daran setzen, dass die eigentlich freundschaftliche Beziehung zwischen den Gestaltern und den Zuhörern deutlich wird. Der Moderator kann etwa eine Art Gastgeber verkörpern. Er kann die Menschen freundlich begrüßen, sie willkommen heißen, ihnen versichern, dass etwas Wunderbares auf sie wartet. Er hat ebenso die Chance, den Besuchern für eine bestimmte Zeit ein Gesprächspartner zu werden, indem er ihre Fragen und Vorbehalte mit aufnimmt und zur Sprache bringt. Wer moderiert, versucht einen emotionalen Teppich zum Zuhörer auszurollen.

Aus Solos wird Beteiligung

 Es ist traurig, aber wahr: Immer noch liegt in vielen landes- und freikirchlichen Gottesdiensten die Verantwortung der Durchführung bei sehr wenigen Menschen. Oft sind nur zwei Gruppen von Mitgestaltern zu sehen: die Prediger bzw. Pastoren und die Musiker bzw. Organisten. Ein leuchtendes Beispiel für das ursprüngliche Ideal ist das allerdings nicht. Denn nach neutestamentlichem Verständnis soll der Gottesdienst durchaus keine Solo- oder Duo-Veranstaltung sein, sondern unter der Beteiligung möglichst vieler Christen geschehen.

 Und es ist die Moderation, die an dieser Stelle gute und praktische Wege eröffnet. Zum einen ist sie eine Möglichkeit, den Gottesdienst aus den Händen der beruflichen Profis zu lösen. Doch es geht nicht nur darum, die Zahl der bisher beteiligten Gruppen (Prediger und Musiker) um eine weitere (Moderator) zu erhöhen. Die Einbindung von Moderatoren ist meist der Einstieg in ein neues Modell von Gottesdienst.

 Hierzu gehören etwa regelmäßige Planung und Vorbereitung im größeren Kreis – und damit der Einbezug von weiteren Beteiligten. Während sich die Prediger tendenziell auf ihre Predigt und die Musiker vorzugsweise auf ihre Lieder und Musikstücke konzentrieren, kann der Moderator dafür Sorge tragen, dass weitere Menschen in die Gottesdienstgestaltung integriert werden. Moderierte Gottesdienste spiegeln somit die Fülle und die Facetten der ganzen Gemeinde wider.

Dr. Arndt Elmar Schnepper ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Hamburg-Bahrenfeld.


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