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Von Andreas Fehler


Theologie des Abendmahls Grundsätzliche Überlegungen

Die Frage nach der Bedeutung und den theologischen Überzeugungen des Abendmahls war für die Gründung der ersten Freien evangelischen Gemeinden in Deutschland und die Gründung des Bundes der sogenannten Abendmahlsgemeinschaften ausschlaggebend. Über unsere Tradition hinaus ist es geboten, immer wieder auf die Aussagen der Heiligen Schrift zu hören und die Abendmahlspraxis in unseren Gemeinden daraufhin zu prüfen.

Zur Bezeichnung

Das NT spricht vom Mahl des Herrn (1Kor 11,20). Die Schreibweise „Herr“ ist für alle, die keine Lutherübersetzung gebrauchen, nicht geläufig. Es könnte das Missverständnis entstehen, als dürften nur Männer daran teilnehmen. Mit „Brotbrechen“ (Apg 2,42) wird im Neuen Testament auch die gemeinsame Mahlzeit bezeichnet. Der sonst verwendete, aus dem Griechischen abgeleitete Begriff der Eucharistie stellt die dankende Gemeinde in den Vordergrund. Obwohl in den meisten Gemeinden unseres Bundes und darüber hinaus das Abendmahl vormittags stattfindet, hat sich auch bei uns der Name „Abendmahl“ durchgesetzt.

Biblische Grundlagen

Schauen wir in die Aussagen des Neuen Testaments, dann halten wir folgendes fest: Paulus verbindet in einem größeren Bogen die Aussagen zum Abendmahl im 1. Korintherbrief (11,17’ ) mit dem Thema „Einheit“. Schwerpunkte des Textes sind Gemeinde als Leib des Christus (Kap. 12) und Gottesdienst (11,2’ ).

Einige exegetische Anmerkungen zu 1. Korinther 11: 

  • Vers 27: „Unwürdig“ ist im griechischen Text Adverb, nicht Adjektiv. Als Adverb beschreibt es die Feier bzw. deren Umstände, nicht aber die Feiernden. 
  • Vers 28: Auch wenn Paulus das Recht hat, Dinge in der Gemeinde zu ordnen (Vers 34), so gibt es ebenso eine Verantwortung des Einzelnen.
  • Vers 29: „Leib des Herrn“ ist doppeldeutig: Einerseits meint es das Abendmahl an sich, andererseits (10,27 und Kap. 12) auch die Gemeinde. 
  • Vers 30: Unwürdige Abendmahlsfeiern bzw. unwürdiges Miteinander in der Gemeinde bedrücken, machen den Menschen krank. Solches Verhalten muss geändert werden, ansonsten wird Gott es richten (Verse 32f). 
  • Die synoptischen Evangelien berichten (Mt 26,17’ und Parallelen; vgl. auch 2Mo 12,1-8; 24,1-8), wie Jesus mit seinen Jüngern das jährliche Passah feiert und dem Fest eine neue, erweiterte Bedeutung gibt. Er bezieht Brot und Kelch auf sich selbst und spricht von einem neuen Bund. Dabei nimmt er Worte aus der Liturgie des „Sinaibundes“ auf. 
  • Im Johannesevangelium (Joh 6,22’ ) versteht Jesus die Gabe des Manna (2Mo 16; Ps 78,24) als „Vorschattung“ seiner selbst. Konsequent in der Typologie spricht er vom Essen seines Leibes, legt das Essen seines Leibes aber selbst als Glaubensakt aus (vgl. Joh 6,29.35.47 zu 6,51.53’ ).

Die Bedeutung des Abendmahls

Im Abendmahl vollendet sich das Passahmahl, es ist die Feier des neuen Bundes (vgl. auch 1Kor 5,7). Deshalb wird die Bedeutung des Abendmahls auch schon bei der Feier des Passahmahls „vorgeschattet“.

Sowohl Passah- als auch Abendmahl sind ein … 

  • Bundesmahl (2Mo 24,8; 12,13; Mt 26,28 mit Parallelen; 1Kor 11,25)
    Zu jedem Bund Gottes mit seinen Menschen gehört ein Bundeszeichen. So ist das Abendmahl Zeichen des neuen Bundes, den Gott in Jesus Christus mit uns geschlossen hat. Ein Bund beinhaltet Verbindlichkeit, die Einhaltung der sogenannten Bundesordnung. 
  • Gemeindemahl (2Mo 12,47.43; 1Kor 10,16-17)
    Die Teilnahme am Passah- so wie auch am Abendmahl macht die Grenze zwischen Volk Gottes und Noch-nicht-Volk-Gottes sichtbar. Wenn wir als Ortsgemeinde bei der Feier des Abendmahls bekennen, „Leib des Christus“, also Gemeinde, zu sein, so ist uns bewusst: Wir sind zwar „ganze Gemeinde“, aber nicht „die ganze Gemeinde“. 
  • Gedächtnismahl (2Mo 12,14; 13,3.9; 1Kor 11,24)
    Gedenkfeiern bewahren vor Vergessen. So wie die Passahfeier die Juden führt auch das Abendmahl die Christen an die Wurzeln ihrer Geschichte zurück. Während die Juden an die Erlösung aus Ägypten denken, erinnern wir Christen uns in der Feier des Abendmahls an die ewige Erlösung durch Jesu Sterben am Kreuz.
  • Verkündigungsmahl (2Mo 13,8; 1Kor 11,26)
    Gedenkfeiern überbringen eine Botschaft. So ist das Passahfest ein Ausgangspunkt für die Verkündigung der „großen Taten Gottes“. Beim Abendmahl handelt es sich nicht um Wortverkündigung im Sinne einer Predigt, sondern um wortlose Verkündigung durch Zeichen. Die Zeichen stehen im Vordergrund, das Wort erläutert allenfalls.
  • Gemeinschaftsmahl (2Mo 12,4; 1Kor 10,16-17)
    Gedenkfeiern verbinden. Die Passahfeier führt die Familie zusammen. Sie feiert ausgelassen über mehrere Tage. Auch die Nachbarschaft wird in die Festgemeinschaft eingebunden. Das Abendmahl bringt Gemeinschaft mit Jesus Christus zum Ausdruck. Die Feier an sich ist Bekenntnis unseres Glaubens. Es setzt Glauben voraus, stärkt ihn aber auch. Die Gemeinschaft mit Jesus, die Zugehörigkeit zu ihm, schließt die Bindung an andere Mächte aus (vgl. das erste Gebot; 1Kor 10,21). Die „vertikale“ Gemeinschaft mit Jesus schließt die „horizontale“ Gemeinschaft mit Glaubensgeschwistern ein. 
  • Hoffnungsmahl (2Mo 12,11; 1Kor 11,26)
    Gedenkfeiern geben Zukunftshoffnung. Der Auszug aus Ägypten war verbunden mit der Zusage des verheißenen Landes. Von daher war das Passahmahl auch ein Versprechen, dass dem Auszug ein „Nach-Hause-Kommen“ folgt. Heute erinnert uns das Abendmahl an Jesu Wiederkommen und damit an die ewige Erlösung. Der Gebetsruf „Maranatha“ (1Kor 16,22; Offb 22,20) hat seinen Ursprung in den Abendmahlsfeiern der neutestamentlichen Gemeinden.

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Andreas Fehler ist Pastor der FeG Bonn.


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