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Von Wolfgang Kraska


Pastoren nett und nützlich oder nötig?

Freikirchliche Pastoren begegnen in den Gemeinden sehr unterschiedlichen Erwartungen und widersprüchlichen Vorstellungen. Je nach Persönlichkeit und Gemeindesituation ist alles drin: vom dummen Jungen, den man herumkommandieren kann bis zum Chef der Gemeinde, dem niemand zu widersprechen wagt.

Ganz sicher verstehen sich freikirchliche Pastoren grundsätzlich anders als katholische Priester. Letztere sind deutlich abgehoben vom normalen Kirchenvolk (griechisch: laos), den Laien. Manche Aufgaben, insbesondere die Austeilung der Sakramente, dürfen allein sie wahrnehmen.

Sie sind auch keine Herren einer Pfarre („Pfarrer“). Sie besitzen – anders als ein evangelischer Pfarrer – keine Rechte und Befugnisse qua Amt und Ordination, die ihnen die Gemeinde nicht streitig machen kann. Alles was ein freikirchlicher Pastor tut, dürfen grundsätzlich auch andere Glieder der Gemeinde tun. Das gilt für die Austeilung des Abendmahls, aber auch für Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Sind sie dann aber mehr als Angestellte, die die ehrenamtlichen Mitarbeiter und Leiter entlasten? Nett und nützlich – aber nicht wirklich nötig?

Ohne Berufung geht es nicht

Das Berufsbild des heutigen Pastors lässt sich nicht unmittelbar aus dem Neuen Testament ableiten, auch nicht durch den Verweis auf die Hirten (lat. pastor) in Eph 4,11. Sie sehen sich auch nicht als die direkten Amtsnachfolger der Apostel, sondern verstehen ihren Beruf und Dienst vom Ältestenamt her. Und doch sind sie auch nicht nur „normale“ Älteste. Das hat seinen Grund vor allem in einer besonderen Berufung durch Jesus Christus. Sie beinhaltet für die meisten, dass das gesamte Leben einschließlich des zentralen Feldes der Berufstätigkeit ganz Christus zur Verfügung gestellt wird.

Die erste Missionsreise beginnt damit, dass der Heilige Geist spricht (Apg 13,2): „Sondert mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe.“ So „ausgesondert“ zu werden ist ohne Frage etwas Besonderes. Geschieht das heute nicht mehr?

Vielleicht nicht in so spektakulärer Weise. Aber ohne eine persönliche Berufung von Gott, kann auch heute niemand den Pastorendienst auf Dauer durchstehen. Zu Recht bestehen deshalb die Eingangsbedingungen für das Studium an unserer Theologischen Hochschule aus den „vier B“: bereit, begabt, bewährt und – berufen! Wer sich für den vollzeitlichen Dienst als Pastor oder Missionar ausbilden lassen will, muss für sich wissen, dass er von Gott einen Auftrag dazu hat. Bereitschaft, Begabung und Bewährung reichen allein nicht aus.

Älteste, Hirten, Bischöfe – was denn nun?

Wenn Pastoren grundsätzlich zu den Ältesten gehören, sollten wir als nächstes klären, wie sich diese Bezeichnung zu anderen von Paulus genannten Ämtern wie Bischof und Hirte verhält. Besonders aufschlussreich ist für uns in diesem Zusammenhang die Gemeinde in Ephesus.

Paulus schreibt ihnen, dass Jesus selbst bei ihnen unterschiedliche Aufträge und Begabungen vergeben hat. Er nennt Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer (Eph 4,11). Erstaunlicherweise fehlen aber die Ältesten, obwohl ihre Aufgaben im Epheserbrief inhaltlich durchaus thematisiert werden. Gleichzeitig berichtet die Apostelgeschichte, dass es in Ephesus sehr wohl Älteste gab und Paulus sich besonders herzlich von ihnen verabschiedet (Apg 20,17-28).

Dabei lässt sich eine interessante Beobachtung machen: Paulus lässt die Ältesten (presbyteroi, V 17) der Gemeinde Ephesus zu sich rufen. Er redet sie als Bischöfe an (episkopoi, V 28) und fordert sie auf, die Herde Gottes zu weiden (poimän; V 28), das heißt, Hirten zu sein. Die Begriffe werden in der frühen Zeit der Gemeinden also durchaus parallel verwendet. Die Aufgaben überlappen sich, und es gibt noch keine klare Abgrenzung von Ämtern. Vor allem beinhalten die Begriffe keine Hierarchie.

Wo kommt der Pastor in der Bibel vor?

Gerade diese fließende Entwicklung und Vielfalt lässt auch uns Raum für neue, den Erfordernissen unserer Zeit entsprechende Kombinationen aus Gaben, Funktionen, Beauftragungen und Kompetenzen, wie wir sie heute beim Gemeindepastor finden. Der Pastor ist dadurch hinreichend biblisch legitimiert, auch wenn man nicht die eine Stelle nennen kann, in der seine Aufgabe umfassend definiert wird.

Immer geht es um Lehre, Leitung, Seelsorge und auch um den prophetischen Weitblick für die Arbeit. Und doch gibt es je nach Gemeindesituation unterschiedliche Schwerpunkte bei den Anforderungen. Entsprechend brauchen wir auch unterschiedliche Pastoren, um dem gerecht zu werden. So wird ein Gemeindehirte, dem es wichtig ist, jedes einzelne Gemeindeglied persönlich zu begleiten, kaum in einer Gemeinde von mehreren hundert Mitgliedern seinen Dienst verrichten können. Er wird unterschwellig das Wachstum der Gemeinde verhindern, weil es ihn persönlich bedroht, oder er wird sich geradewegs in den Burnout manövrieren.

Sagt ihr mir, ob ich euer Pastor bin!

Pastoren haben, wie oben dargelegt, nicht nur einen besonderen Dienstauftrag durch die Gemeinde, sondern zugleich auch eine besondere Berufung zum vollzeitlichen Dienst durch Jesus, den Herrn. Wie finden nun der richtige Pastor und die richtige Gemeinde zusammen und wie leben sie miteinander?

Ich bin nicht sicher, ob ich für alle meine Kollegen spreche. Deshalb will ich ganz persönlich von mir erzählen. Bei allen Berufungen habe ich der Gemeinde sehr offen von meinen Gaben und Grenzen, den Stärken und Schwächen erzählt. Ich habe deutlich gemacht, wofür mein Herz schlägt, was meine „Vision“ von Gemeinde ist und welche Ziele ich verfolgen werde.

Sinngemäß habe ich jedes Mal gesagt: Ich weiß, dass ich mit meinen Gaben, Erfahrungen, meiner Persönlichkeit und meiner geistlichen DNA irgendwo vollzeitlich und ganzheitlich für Gott arbeiten soll. Ich weiß aber nicht, wo das ist. Wenn ihr den Eindruck habt, dass Gott mich bei euch haben will, werde ich gerne kommen. Aber ich will euch mit meinen Stärken und Gaben dienen und nicht mit dem, was andere sich von mir wünschen. Wenn ihr mich beruft, sagt ihr damit auch ja zu den Akzenten, die ich setzen werde.

Man kann sich nämlich – im Bild gesprochen – keinen Hund ins Haus holen und hinterher fordern, dass er sanft miaut und einem wie eine Katze sanft die Beine streichelt. Wenn eine Gemeinde ihren Pastor so als Gottes Gabe annimmt und ein Pastor seine Gemeinde als Gottes Platzanweisung versteht, entsteht daraus großer Segen und ein fröhliches Miteinander.

Der Pastor ist also weder der Herr der Gemeinde, noch der Angestellte, der die Erwartungen von u.U. mehreren hundert Chefs erfüllen muss. Er ist Gottes Gabe an die Gemeinde und kann erwarten, dass dies respektiert wird. Anders ist es natürlich, wenn ein Pastor sich als Besserwisser und Alleinherrscher aufführt. Dann ist der Segen gründlich blockiert und viel Leid vorprogrammiert. Das Gleiche gilt auch, wenn er es mit Ältesten zu tun hat, denen es um Selbstverwirklichung und Machterhalt geht und die heimlich mit dem Pastor konkurrieren.

Ein Beruf ganz eigener Art

Kommen wir zur Frage des Titels zurück, wie nötig ein Pastor überhaupt ist. Eine Gemeinde ist keineswegs erst dann eine richtige Gemeinde, wenn sie einen Pastor hat. Aber um in unserer komplexen Welt sinnvoll arbeiten zu können, benötigen die allermeisten Gemeinden sehr wohl Persönlichkeiten mit entsprechenden geistlichen Gaben, einer breit gefächerten Ausbildung, dem nötigen zeitlichen Freiraum und einer Berufung durch den Herrn der Gemeinde. Dass Pastoren für diese Tätigkeit auch Anspruch auf eine angemessene Entlohnung haben, dürfte angesichts der Vielzahl entsprechender Aussagen jedem Bibelleser bekannt sein (5Mose 25,4; Lk 10,7; Gal 6,7; 1Kor 9,14; 1Tim 5,18 u.ö.).

Es gibt übrigens auch noch eine menschliche und soziale Komponente, die man nicht außer Acht lassen darf. Wenn die Gemeinden erwarten, dass die Pastoren eine mehrjährige theologische Ausbildung mitbringen, mit der man in anderen Berufen kaum etwas anfangen kann, ergibt sich daraus auch eine besondere Verantwortung ihren Pastoren gegenüber.

Dankbar können wir Pastoren feststellen, dass der Bund FeG sich intensiv bemüht, dieser Verantwortung nachzukommen. Umgekehrt können die Gemeinden auch erwarten, dass ein Pastor mit voller Hingabe Jesus in ihrer Mitte dient. Wer nur einen interessanten oder gar bequemen Job sucht, sollte kein Pastor werden. Aber wer begabt, bewährt, berufen und bereit ist, sich auf die vielfältigen Herausforderungen einzulassen, darf sich auf einen wirklich schönen und erfüllenden Beruf freuen.

Wolfgang Kraska ist Pastor der FeG Karlsruhe.


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