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Von Annekatrin Warnke


Birgit Thielmann „Es ist wichtig, den anderen Menschen im Auge zu behalten“

Das Eingangszitat ist eine Überzeugung von Birgit Thielmann. Die Diplom- Ingenieurin für Architektur arbeitet für einen Verbraucherschutzverein als Bau- und Energieberaterin und ist Fachkraft für barrierefreies Bauen und Wohnen. Wer als gesunder Mensch barrierefreie Räume plant, muss in der Lage sein, in den Schuhen des Anderen zu gehen.

Diese Fähigkeit zeichnet Birgit Thielmann aus – genauso wie ihre Freundin Dorothee Wellpott. Die beiden kennen sich seit 2004. Frau Wellpott ist Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch. Als sie eine TV-Sendung zum Thema „Inklusion“ verfolgte, war sie gleich angesprochen. Sie dachte an ihren Neffen, der in einer Lebenshilfe-Einrichtung lebt und an ihre demente Mutter.Im Zusammenleben mit ihnen bemerkte sie immer wieder, welche Barriere Sprache für viele Menschen darstellt.

Mit einer barrierefreien Sprache könnte die Kommunikation mit ihnen besser und einfacher werden. Birgit Thielmann teilte die Ideen ihrer Freundin. Die Beiden nahmen an einer Schulung der Lebenshilfe Bremen teil und wurden mit dem Konzept der Leichten Sprache vertraut. Heute führen sie das „Büro für Leichte Sprache Bonn“.

Gleichberechtigt durch Leichte Sprache

Frau Thielmann erklärt, warum leichte Sprache so wichtig ist: „Häufig sind Dokumente in kompliziertem Deutsch verfasst. Oder auch Gebrauchsanweisungen und Broschüren. Da bekommen Migrantinnen und Migranten, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Leseschwächen oder einem geringen Bildungshintergrund große Verständnisprobleme. Eine leicht lesbare Sprache trägt dazu bei, dass diese Menschen gleichberechtigt und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.“

Das „Büro für Leichte Sprache Bonn“ hat inzwischen Kontakt zur Behindertenbeauftragten der Stadt sowie zu verschiedenen kommunalen Einrichtungen aufgenommen. Einiges haben die beiden Kolleginnen bereits übersetzt. Jeder in Leichte Sprache übersetzte Text wird von Testlesern der jeweiligen Zielgruppe geprüft. Erst, wenn er von diesen für verständlich gehalten wird, kann er mit dem „Europäischen Logo für leichte Sprache“ zertifiziert werden.

Birgit Thielmann erklärt die Anforderungen an Leichte Sprache: „Ein leicht lesbarer Text enthält nur die wichtigsten Informationen. Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen den Inhalt verstehen. Deshalb verwenden wir Begriše der Alltagsprache und kurze, einfache Sätze. Abstrakte Begriše erläutern wir mit Beispielen. Außerdem sind eine klare Struktur und ein übersichtliches Layout wichtig. Wir arbeiten mit großer Schrift und zusätzlichen Bildern und Symbolen.“

Die Ostergeschichte in Leichter Sprache

Es gibt bisher erst einen barrierefreien biblischen Text. Das ist „Die Weihnachts-Geschichte in Leichter Sprache“, die von der Lebenshilfe Bremen im Jahr 2012 herausgegeben wurde. Birgit Thielmann und Dorothee Wellpott haben sich dadurch anregen lassen, die Ostergeschichte in die Leichte Sprache zu übersetzen. Die Begebenheit im Garten liest sich dort so:

Jesus will mit seinem Vater sprechen. Er will zu Gott beten. Drei Freunde sollen dabei sein. Es sind: Petrus, Jakobus und Johannes. Er sagt zu ihnen: Ich habe Angst. Lasst mich bitte nicht allein! Schlaft bitte nicht ein! Aber die Freunde schlafen ein. Das passiert 3 Mal. Darüber ist Jesus traurig. Er fragt: Warum schlaft Ihr immer ein?

Wenn die Oster-Geschichte von Testlesern geprüft ist, kann sie als Buch verlegt werden. Und bei Interesse könnten sogar weitere Texte aus der Bibel folgen. Die beiden Übersetzerinnen sind augenblicklich auf der Suche nach einem Verlag.

Seit der Kindheit in FeGs zu Hause

Birgit Thielmann wurde 1956 in Bottrop geboren. Ihre Eltern gehörten schon zur FeG und auch Birgit hat in unseren Gemeinden immer ein Zuhause gefunden. Sie kennt einige von ihnen, weil sie häufig umgezogen ist. Seit 13 Jahren gehört sie nun mit ihrem Mann Wolfgang und der neunzehnjährigen Tochter zur FeG Bonn.

Dort leitet Frau Thielmann gemeinsam mit Gisela Heun-Holdinghausen einen der rund 30 Hauskreise. Die 19 Teilnehmer trešffen sich regelmäßig einmal in der Woche. Neben der Beschäftigung mit biblischen Texten legt der Hauskreis viel Wert auf den Austausch über grundsätzliche und gesellschaftsrelevante Themen. Dazu gehörten in den vergangenen Monaten u.a. „Israel und Palästina“, „Die soziale Verantwortung der Christen“, „Präimplantationsdiagnostik PID und Pränataldiagnostik PND“, „Islam und Integration“ und das „Vaterunser“.

Für Birgit Thielmann ist ein weiter Horizont wesentlich. „Als Christ möchte ich ein Leben führen, das den Menschen zugewandt ist“, sagt sie. „Ich möchte versuchen, über mich selbst hinauszusehen.“


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