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Von Wolfgang Kraska


„Lasst uns Menschen machen“

Die Bibel offenbart uns die Geheimnisse Gottes in einem fortschreitenden Prozess. Abraham oder auch Mose in seiner frühen Zeit wussten über Gott nur sehr wenig.

Erst beim Bundesschluss am Sinai bekommt das Volk Gottes überhaupt einen nennenswerten „Kultus“ – Formen und Rituale, um Gott verehren zu können. Es erhält mit den zehn Geboten eine Ethik und erfährt dabei Wesentliches über Gottes Werte und Willen. Indem die Propheten die Geschichte Israels aus Gottes Perspektive kommentieren und werten, werden immer mehr Details über Gottes „Charakter“ deutlich.

Ähnliches gilt in neutestamentlicher Zeit von den Aposteln. Vor allem durch Jesus Christus gibt es einen enormen Zuwachs an Erkenntnissen über Gottes Wesen. Und schließlich erschließt uns die Ausgießung des Heiligen Geistes Gott in einer nie gekannten Tiefe. Wir erfahren, dass Gott in seinem Wesen dreieinig ist. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass Gott dies schon immer, also vom Beginn der Welt an, war. Nur die Information an uns ist neu, nicht die Tatsache als solche. Gott ist im Neuen Testament kein anderer als zu Zeiten Abrahams. Wir wissen nur mehr über ihn. So können wir vom Neuen Testament aus manche geheimnisvollen Sätze des Alten Testaments besser verstehen, als die Hörer damals. Dazu gehört auch der geheimnisvolle Satz (1Mose 1,26): „Gott sprach: Lasst uns Menschen machen.“

Der dreieine Gott erschafft den Menschen.

Seit eh und je sind Theologen wie Bibelleser über den Plural gestolpert. Schließlich erachten wir es als mehr oder weniger selbstverständlich, dass Gott der Vater bei der Erschaffung des Menschen am Werk ist. Schließlich sind es bei uns Menschen ja auch die Väter, die Leben zeugen und erschaffen. Die Frage lautet aber, wer ist denn dieser „Gott“ wirklich, der hier als Schöpfer tätig wird?

Es ist niemand anders als der Gott, über den wir aus dem Neuen Testament wissen, dass er dreieinig ist. Das heißt, wir werden in 1Mose 1,26 Zeuge, wie der dreieine Gott mit sich selbst kommuniziert. Vater, Sohn und Geist beraten und beschließen gemeinsam (Gute Nachricht Bibel/GNB): „Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist!“ Einmal auf diese Spur gesetzt, entdecken wir weitere interessante Details in der Bibel. Was den Geist Gottes angeht, wird er bereits in 1Mose 1,2 ausdrücklich erwähnt: „… und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“ Über die Beteiligung von Jesus Christus erfahren wir erst im Neuen Testament, etwa wenn Paulus schreibt „In ihm (d.i. Jesus) ist alles erschaffen worden, was im Himmel und auf der Erde lebt ... Alles hat Gott durch ihn geschaffen, und alles findet in ihm sein letztes Ziel (Kol 1,16 GNB; ähnlich auch Joh 1,1.14 und Hebr 1,2).

„Ein Bild, das uns gleich sei.“

Die nächste spannende Entdeckung können wir machen, wenn wir fragen, wer oder was denn der Mensch ist, den Gott dort schafft. Betont wird geschildert, wie Gott zuerst den Mann erschafft. Aber das Ergebnis ist noch unbefriedigend. Der dreieine Gott sagt sich: „Es ist nicht gut, dass der Mensch so allein ist. Ich will ein Wesen schaffen, das ihm hilft und das zu ihm passt (1Mose 2,18).“

Der Mann allein reicht nicht. Erst zusammen mit der Frau bildet er den Menschen. Wir sind gewohnt, dies als Maßnahme Gottes zu verstehen, mit der er Adams Leben bereichern und erleichtern will. Es gibt aber noch einen weiteren, ich denke sogar wichtigeren Aspekt, und der betrifft Gott selbst. Das Ziel Gottes ist schließlich ein Wesen, das ihn, den dreieinen Gott, abbildet, ein Abbild, „das uns (Plural!) gleich sei.“ Vergessen wir nicht: Gott wird uns im Schöpfungsbericht als mit sich selbst kommunizierend vorgestellt. Diesen wesentlichen Aspekt des Wesens Gottes kann der Mann allein nicht abbilden. Erst in seinem Miteinander mit der Frau ist er Bild Gottes. Erst beide zusammen sind Abbild des dreieinen Gottes.

„Und er schuf sie als Mann und als Frau.“

Das heißt dann aber auf den Punkt gebracht: Der Dreieinigkeit Gottes entspricht die Zweieinigkeit des Menschen. Das Miteinander von Mann und Frau soll ein Abbild des Miteinanders von Vater, Sohn und Heiligem Geist sein. So war es zumindest für das Paradies gedacht. Wenn wir diesen Gedanken ernst nehmen, haben wir meines Erachtens den wesentlichen Ansatz gefunden, wie Ehe im Ursprung gemeint war.

Fragen wir deshalb weiter, wie denn der Vater, der Sohn und der Heilige Geist miteinander umgehen. Wenn wir ins Neue Testament schauen, entdecken wir dort, dass der Vater, der Sohn und der Geist sich jeweils unterschiedlich „äußern“ und nach außen wirken. Gleichzeitig sind sie im Innern völlig eins. Nirgends gibt es eine Spur von Konkurrenz oder Neid. Jesus betont zum Beispiel: „Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst aus. Und der Vater, der in mir wohnt, der tut seine Werke (Joh 14,9-10b).“ Der Heilige Geist will keine eigene Verehrung, sondern er dient Jesus, indem er deutlich macht, wer Jesus ist und an seine Worte erinnert (Joh 14,26; 15,26).

Das Wesen des dreieinen Gottes ist also durch Unterschiedlichkeit nach außen bei gleichzeitiger Einheit im Innern zu beschreiben. Genau das ist aber auch die Konzeption und Verheißung für die Ehe von Mann und Frau.

„Sie werden ein Fleisch sein.“

Mann und Frau sind total unterschiedlich – aller Gender-Diskussion unserer Tage zum Trotz. Und doch sollen sie – gerade mit dieser Unterschiedlichkeit – eine völlige Einheit bilden. Die Aussage „Sie werden ein Fleisch sein“ (1Mose 2,24) meint deshalb weit mehr als die sexuelle Vereinigung. Sie spricht vielmehr von dieser totalen inneren Verbundenheit. Der Geschlechtsakt ist dabei nur ein Aspekt unter mehreren.

All dies lässt sich aber noch viel kürzer ausdrücken, nämlich mit dem Wort „Liebe“ (Agape). In 1Joh 4,16 wird das Wesen des dreieinigen Gottes auf eine ganz knappe Formel gebracht: Gott ist Liebe. Das besagt mehr, als dass Gott uns liebt und nicht anders kann als uns zu lieben. Der Satz macht eine Aussage über das innere, ureigenste Wesen Gottes. Er beschreibt, wie Gott, also der Vater, der Sohn und der Geist, miteinander umgehen und zueinander stehen. Und wir sind aufgefordert, dieses Wesensmerkmal Gottes ebenfalls im Miteinander, insbesondere dem von Mann und Frau, zu leben. „Ein Fleisch sein“ beschreibt den Prozess, das Einswerden in allen Dingen. „Liebe“ benennt die dazu gehörige innere Einstellung zueinander.

Ja, aber …

Natürlich entsteht bei diesem Ansatz gleich eine Reihe von Fragen. Zum Beispiel: Was ist denn mit den Singles? Sind sie denn etwa nicht Gottes Ebenbild, nur weil sie keinen Partner haben? Oder auch: Wie weit können wir denn nach dem Sündenfall als Ehepaar überhaupt diese Konzeption Gottes leben. Und wo hilft uns diese Vorgabe durch unseren Schöpfer bei unserem Miteinander heute? Um diese Themen wird es in den nächsten Ausgaben von CHRISTSEIN HEUTE gehen.

Wolfgang Kraska ist Pastor der FeG Karlsruhe.


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