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Von Prof. Dr. Jürgen von Hagen


Geld verstehen Eine Glaubensfrage

Es stinkt nicht, alles dreht sich darum und es regiert die Welt: das Geld.

Der Theologe Falk Wagner sprach vom Pantheismus des Geldes, der Philosoph Kenneth Burke betrachtete Geld als ein Gott-ähnliches Phänomen, der Philosoph und Soziologe Georg Simmel schrieb von der Allmacht des Geldes und der Soziologe Niklas Luhmann schlug vor, Religionen wie Geldsysteme zu organisieren. 

Die Nähe von Geld und Religion wird auch deutlich in der Vielzahl biblischer Stellen, die von Geld sprechen, 182 Mal taucht das Wort „Geld“ in der Luther Übersetzung auf. Das Buch des Predigers (5,10) warnt vor der Unstillbarkeit der Liebe zum Geld; Jesus warnt seine Jünger in Matthäus 6,24, dass sie nicht zwei Herren gleichzeitig dienen können, Gott und dem Geld. Luther warnt im ersten Artikel seines Großen Kathechismus vor dem Geld als dem „gewöhnlichsten Abgott“, dem Menschen mehr vertrauen als dem wahren Gott. Was ist Geld, woher kommt die Faszination des Geldes und woher die Nähe zur Religion? Diesen Fragen wollen wir in diesem Beitrag nachgehen.

Umgangssprachlich gebrauchen wir „Geld“ häufig im Sinn von Reichtum: Wir sagen, einer hat viel Geld, und meinen, er ist sehr reich. Dabei haben gerade die reichen Leute meist gar nicht viel „Geld“, sondern andere Arten von Vermögen wie Aktien, Anteile an Unternehmen, Wertpapiere oder Grund und Boden, also Vermögensarten, die Erträge bringen.

Auch die Bibel benutzt „Geld“ oft in diesem Sinn, wie die beiden genannten Stellen zeigen. Die Bibel kennt auch die praktische Erfahrung, dass Geld als Mittel der Wertaufbewahrung unserer Ersparnisse im Vergleich zu anderen Mitteln ziemlich ungeeignet ist, weil es keinen Ertrag bringt. In Lukas 12,33 warnt Jesus vor dem Verlust durch Diebstahl und durch Motten und Rost (der Volkswirt, damals wie heute, würde hinzufügen, durch Inflation), den derjenige erleiden kann, der seinen Reichtum in Geld anlegt, und in Lukas 19,23 weist Jesus darauf hin, dass Geld, im Gegensatz zu anderen Vermögensanlagen, keinen Zinsertrag bringt. Hier sprechen wir von „Geld“ im eigentlichen Sinn von Münzen oder Geldscheinen.

Geld als Tauschmittel

Die Besonderheit des Geldes liegt in seiner Funktion als allgemeines Tauschmittel in einer Gesellschaft. Geld ist dadurch charakterisiert, dass es im Tausch gegen Güter und Dienstleistungen akzeptiert wird, die zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse wie Essen, Trinken, Wohnen usw. dienen, während das Geld selbst nicht unmittelbar zur Befriedigung von Bedürfnissen benutzt wird. Für sich selbst genommen ist Geld wertlos, seinen Wert erhält es einzig und allein durch seinen Gebrauch als Tauschmittel.

Möglich ist das allein aufgrund der Tatsache, dass jeder, der Geld im Tausch gegen Güter und Dienstleistungen akzeptiert, davon ausgeht, dass er selbst das Geld in der Zukunft benutzen kann, um damit Güter und Dienstleistungen zur Befriedigung seiner Bedürfnisse zu erwerben. Geld hat seinen Wert heute nur, weil alle, die es im Tausch akzeptieren, erwarten, dass man morgen dafür etwas kaufen kann.

Der Wert des Geldes heute beruht also allein auf der Erwartung der Menschen in einer Gesellschaft, dass das Geld in der Zukunft Wert haben wird. Ist es vernünftig, heute zu erwarten, dass man morgen mit Geld etwas kaufen kann? Um die Frage zu beantworten, muss man über das nachdenken, was morgen sein wird. Wird man morgen das Geld im Tausch gegen Güter und Dienstleistungen akzeptieren? Ja, aber nur dann, wenn man morgen erwartet, dass man übermorgen mit dem Geld Güter und Dienstleistungen erwerben kann.

Damit das Geld heute Wert hat, müssen die Menschen in der Gesellschaft erwarten, dass die Menschen morgen erwarten, dass das Geld übermorgen Wert hat.So lässt sich die Kette unendlich fortsetzen: Erwartungen heute über Erwartungen morgen über Erwartungen übermorgen über Erwartungen […]

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Prof. Dr. Jürgen von Hagen ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn, Ältester der FeG Bonn und Aufsichtsratsvorsitzender von ERF Medien e.V. 

 

 


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