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Von Peter Strauch


Scheinfromme Phrasen aufbrechen

Eine Rezension von Peter Strauch

Es war vor Jahrzehnten auf einer Hamburger Mitarbeiterkonferenz. Ich hatte gerade als junger Pastor meinen Dienst begonnen und nahm noch ein wenig schüchtern daran teil. Um mich herum saßen viele erfahrene Pastoren; auf der anderen Seite des Tisches die im Dienst ergrauten Diakonissen. Die Bibelarbeit hielt mein damaliger Chef, Dr. Fritz Laubach. An diesem Morgen gebrauchte er ein Fremdwort, dessen Sinn ich nicht verstand. Aber um mich herum sah ich lauter wissende Gesichter, wenigstens schien es so. Bis schließlich einer, der mir gegenüber saß, leise nach der Bedeutung des Wortes fragte, und da er von keinem von uns eine Antwort erhielt, unterbrach er den Redner und stellte seine Frage laut und öffentlich.

Dieser mutige Mann war Wilhelm Eggers, und beim Lesen des Buches seines Sohnes fiel mir dieses Erlebnis mit seinem Vater ein. Irgendwie scheint es den Eggers in den Genen zu liegen: nicht so tun als ob. Nicht anders scheinen als man ist. Defizite zugeben. Offen und ehrlich ein falsches Bild zerstören – auch und gerade ein frommes Bild, das andere von uns und wir von uns selbst haben. „Ehrlich glauben“ ist ein großartiges Buch für alle, die sich danach sehnen, fromme (scheinfromme!) Phrasen aufzubrechen und ehrlich zu fragen, was echt und wirklich ist. Selten hat mir die Vorstellung eines Buches so viel Freude gemacht.

Angst führt zum Lügen

Zwei Teile hat das Buch von Ulrich Eggers: einen ersten grundlegend zum Thema, einen zweiten mit 50 Impulsen zum persönlichen Nachdenken und für das gemeinsame Gespräch. Die Impulstexte sind persönlich, berührend, man liest sie und fühlt sich ertappt. Und auch wenn es nicht zum Gespräch darüber kommt, decken sie vertraute Verhaltensmuster auf und regen an, ihnen auf den Grund zu gehen. Nach meiner Einschätzung und Erfahrung berührt das Buch ein tiefes und manchmal unter uns immer noch verstecktes Problem. „Die Wahrheit wird euch frei machen“, sagt Jesus. Genau darum geht es. Das betrifft uns persönlich, aber ebenso ganze Gruppen und Gemeinden – auch und gerade in der pietistisch-evangelikalen Welt.

Denn in ihr ist die Gefährdung einer gespielten und fassadenhaften Frömmigkeit besonders groß. Ich weiß, wovon ich schreibe, ich gehöre dazu. Auch und gerade christliche Leiter sind hier gefährdet, denn man wünscht sie sich heldenhaft, eine Erwartung, von der Ulrich Eggers schreibt, dass sie zum doppelten Spiel von Wirklichkeit und Fassade verführt. „Warum Christen so leicht lügen?“ Es ist ihre Angst, das Gesicht zu verlieren, die sie in die Lüge treibt.

Kein „Glaube light“

Nun liegt nach Ulrich Eggers die Befreiung nicht in einem Absenken des Levels der Frömmigkeit. „Glaube light“ löst weder das Problem, noch ist ein solcher Glaube attraktiv. Nein, nicht unser Glaube ist das Problem, sondern der unehrliche Umgang mit ihm. Die steilen Aussagen in Predigten, Liedern und Gebeten, entsprechen sie eigentlich unserer gelebten Wirklichkeit? Ulrich Eggers schreibt: „Ich will unter allen Umständen Wahrheit anstreben …“ Im Klartext bedeutet das für ihn, immer wieder zu fragen: „Warum man gerade tut, was man tut. Warum man sagt, was man sagt. Warum man schweigt, wo man schweigt.“ Eggers schreibt nicht aus der Sicht eines Zuschauers, sondern ist selbst mittendrin – mit vielen Beobachtungen und Beispielen aus seiner Alltagswelt. Keine Frage: Es ist sein Lebensthema! Nicht zufällig ist er der Chefredakteur des Magazins AUFATMEN mit dem Untertitel: „Gott begegnen. Authentisch leben.“ Genau darum geht es, sollte es gehen, auch bei uns.


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