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Gemeindezucht in Freikirchen

Sehr spannend ist die Frage nach „drinnen oder draußen“ in Bezug auf Gemeinde und Gemeindemitgliedschaft. Passt eine verbindliche Mitgliedschaft – und in der Umkehrung auch ein Entziehen der Mitgliedschaft – noch in eine Zeit, in der alles auf Integration und gegen Diskriminierung ausgelegt ist? Zu dieser Frage hat Dr. Christoph Raedel, Professor für Systematische Theologie, im Jahrbuch Freikirchen-Forschung 23 (2014) einen umfassenden Artikel veröffentlicht. Der nachstehende Beitrag ist eine Zusammenfassung seines Aufsatzes. Uns ist bewusst, dass wir damit unseren Lesern eine anspruchsvolle Lektüre zumuten. Wir hoffen, dass Sie sich von dem fachlich-wissenschaftlichen Stil nicht abhalten lassen, diesen absolut lohnenden Artikel zu lesen.

Wer von „Gemeindezucht“ spricht oder für sie eintritt, wirkt in der spätmodernen pluralistischen Gesellschaft so unzeitgemäß wie jemand, der immer noch vom „Zuchthaus“ oder der „körperlichen Züchtigung“ spricht. Denn der Leitbegriff, von dem her sich alle Bereiche der Gesellschaft bestimmen lassen sollen, ist die Inklusion – das Miteinbezogensein, also das Anliegen, dass ausnahmslos alle Menschen ungeachtet ihrer Persönlichkeitsmerkmale an der Gesellschaft teilhaben können. Juristisch abgesichert wird das Inklusionsanliegen durch die gesetzliche Maßgabe der Antidiskriminierung. Jede irgendwie organisierte Gruppe bis hin zum römisch-katholischen Karnevalsverein, der sich der Wahl eines schwulen „Prinzenpaars“ widersetzt, muss heute dem Geist der Exklusion, der Ausgrenzung, abschwören und dem Gebot der Antidiskriminierung huldigen.

Könnte es sein, dass die Inklusionswelle, deren im Kern berechtigten Anliegen hier überhaupt nicht in Frage gestellt werden sollen, einige wichtige Unterscheidungen eingeebnet hat? Muss nicht alles, was von Seiten der christlichen Gemeinde über das Unterscheiden (lat. „discriminare“) zu sagen ist, sich theologisch mit dem Wort Gottes belegen lassen? Ich möchte diesen Fragen nachgehen, indem ich erstens das Bedingungsgefüge von Inklusion und Exklusion in der Systemtheorie von Niklas Luhmann herausarbeiten, zweitens auf das biblische Bild von Gott als „heiliger Liebe“ (Karl Barth) eingehen und drittens nach Konsequenzen dieser Einsichten für die Praxis der – wie ich sie nennen werde – Gemeindedisziplin fragen werde.

1. INKLUSION UND EXKLUSION

Meine These lautet: Das Evangelium von Jesus Christus ist der Grund und zugleich die Grenze der Kirche. Das Evangelium ist der Grund der Kirche, weil im Leben, Sterben und Auferstehen des Gottessohnes die Wirklichkeit gelebter Versöhnung – der Menschen mit Gott und untereinander – begründet ist. Es ist eine Grenze, weil sich der Leib Christi als Raum der Versöhnung nicht mit dem menschlichen Festhalten an der Unversöhnlichkeit verträgt. Theologisch scheinen Inklusion und Exklusion von daher keine Gegensätze, zu sein, sondern einander zu bedingen. Gibt es für eine solche Überlegung Anschlusspunkte in der sozialwissenschaftlichen Diskussion?

Den vollständigen Artikel können Sie in der Ausgabe 02/15 Christsein-Heute nachlesen.


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