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Von Prof. Dr. Julius Steinberg,


Ein Mann war nicht beteiligt

Gibt es neben wahr und falsch eine dritte Ebene, „nur im Glauben als wahr erkennbar“? Müssen wir zwischen „Wirklichkeit“ und „Glaubenswirklichkeit“ unterscheiden lernen? Prof. Dr. Julius Steinberg, Alttestamentler an der Theologischen Hochschule Ewersbach, beantwortet diese Fragen am Beispiel der Jungfrauengeburt von Jesus Christus.

Das Wunder der Jungfrauengeburt – ein kontroverses Thema. Um Klarheit in die Diskussion zu bringen, ist nach meiner Ansicht die folgende Unterscheidung sehr wichtig. Und zwar die methodische Unterscheidung zwischen der Frage der Auslegung: „Was will der biblische Text seinen Lesern vermitteln?“, und der Frage der Dogmatik: „Was kann/will/soll ich heute glauben?“ Wer die Unterscheidung nicht trifft, steht in der Gefahr, einen der beiden folgenden Fehler zu machen: Entweder – von der Dogmatik: kommend – tendiert er dazu, seine eigene moderne Auffassung in den biblischen Text hineinzulesen. Oder – von der Auslegung kommend – tendiert er dazu, mit seinen Auslegungsergebnissen anderen vorzuschreiben, was sie zu glauben haben.
Demgegenüber hilft die Unterscheidung zwischen den beiden Perspektiven, im ersten Schritt offen und unvoreingenommen wahrzunehmen, was der biblische Text zu sagen hat, und im zweiten Schritt eigenverantwortlich Stellung zu beziehen. Das sorgt für Klarheit – und auch für mehr Gelassenheit im Umgang miteinander.

1. OFFEN WAHRNEHMEN
Die Evangelien lassen sich, zusammen mit vielen weiteren Erzähltexten der Bibel, der Gattung der „historisch-theologischen Erzählung“ zuordnen. Diese Texte beanspruchen, historische Begebenheiten nachzuerzählen, also von dem zu reden, was sich tatsächlich in Raum und Zeit ereignet hat. Sie tun dies in literarisch kunstvoll ausgestalteter Form. Das Ziel ist, Ereignisse theologisch zu beleuchten und zu deuten.
Geschichte und Theologie schließen einander dabei nicht aus, im Gegenteil: Sie werden miteinander verknüpft. So zeigt das Alte Testament viele wichtige Eigenschaften Gottes gerade an seinem Handeln in der Geschichte auf – und ganz besonders da, wo sich Spektakuläres und Wundersames ereignet. An einigen Stellen weist der Text auch direkt darauf hin. Der Bundesschluss am Berg Sinai eröffnet mit den Worten Gottes: „Ihr habt gesehen, was ich getan habe …“ (2Mo 19,4). Weil die Menschen gesehen haben, wie Gott das Schilfmeer geteilt, die Ägypter besiegt und Israel in der Wüste bewahrt hat, wissen sie, wie mächtig und gnädig er ist. Das Argument funktioniert nur, solange die Ereignisse als historisch vorausgesetzt sind.

Den vollständigen Artikel können Sie in der Ausgabe 12/16 CHRISTSEIN HEUTE nachlesen.


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