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Von Matthias Lohmann


Ein einig Volk von Brüdern?

Die CHRISTSEIN HEUTE-Redaktion hat Matthias Lohmann, Pastor der FEG München-Mitte gebeten, zu erklären, wie sie das Thema „Trotz Unterschieden zusammenbleiben“ vor Ort leben, und wie sie mit theologischen Unterschieden als Gemeinde umgehen.

1869 schrieb der Begründer der ersten deutschen Freien evangelischen Gemeinde, Hermann Heinrich Grafe, das Kirchenlied „Ein einig Volk von Brüdern“, in dem er die von Jesus Christus gestiftete Einheit der Christen rühmt. Dieses Lied singt sich leicht, die Realität sieht oft etwas anders aus. Auch Grafe selbst hatte gut 20 Jahre, bevor er dieses Lied schrieb, als „Akt des Gewissens“ seinen Austritt aus der Kirche erklärt. Die Ausrichtung der evangelischen Kirche ließ es ihm unmöglich erscheinen, weiterhin Mitglied dieser Kirche zu sein. Später scheiterte sein Aufnahmegesuch in der kurz zuvor gegründeten Baptistengemeinde unter anderem auch daran, dass Grafe seine Kindertaufe zwar als irregulär, aber nicht als illegitim ansah und sich deshalb nicht als Erwachsener taufen lassen wollte. Als er dann 1854 die erste deutsche FeG in Elberfeld- Barmen gegründet hatte, verfasste er ein Glaubensbekenntnis. Er war der Meinung, dass es nur rechtens wäre, nicht nur potenzielle Gemeindemitglieder danach zu fragen, was sie glauben, sondern ihnen auch offen darzulegen, was in der Gemeinde gelehrt und geglaubt wird. Wenngleich Grafe in diesem Glaubensbekenntnis nur die grundlegendsten Glaubensinhalte zusammenfassen wollte, war ihm klar, dass nicht alle Christen diesem Bekenntnis zustimmen würden. Genau das brachte der 17. und letzte Artikel zum Ausdruck, in dem es heißt: „Wir erklären, dass, ungeachtet wir vor Gott unter uns die reine Verkündigung aller dieser Wahrheiten aufrecht erhalten wollen, wir alle diejenigen als Brüder anerkennen, die, an welchem Orte es auch sei, Jesum Christum als ihren einigen [einzigen] Heiland und ihren Gott anrufen; wir wollen sie lieben, und wir begehren, von dem Herrn zu lernen, ihnen bei jeder Gelegenheit Zeugnisse von dem Bande zu geben, welches uns Alle in Ihm auf ewig vereint.“ Grafe schien klar zu sein, dass theologische Unterschiede dazu führen können, dass das „einig Volk von Brüdern“ nicht zwingend immer auch in der organisatorischen Einheit einer Gemeinde leben wird. Darüber hinaus gab und gibt es natürlich auch immer wieder persönliche Streitigkeiten, die dazu führen, dass Christen nicht in guter Einheit miteinander leben. Auch das hatte einst schon Hermann Heinrich Grafe erlebt. Denn die Ablehnung seines Eintrittsgesuchs bei der Baptistengemeinde hatte wohl auch wesentlich mit einer persönlichen Streitigkeit zwischen ihm und dem Gründer der Wuppertaler Baptistengemeinde, Julius Köbner, zu tun. Ohne jede Frage, so lange unsere Erkenntnis nur Stückwerk ist, und so lange Satan, der große Durcheinanderbringer, noch sein Unwesen treibt, wird es keine dauerhafte Einheit unter allen Christen geben.


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