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Von Prof. Dr. Andreas Heiser


Ist Gott ein Sadist? Was bedeutet der Kreuzestod Jesu?

Geht ein Festhalten an der Sühnedeutung des Todes Jesu zwangsläufig mit einem grausamen Gottesbild ein-her? Wie kann man das brutale, blutige Geschehen von Golgatha als einen „Akt der Liebe Gottes“ verstehen? Über den Vortrag von Prof. Dr. Vol-ker Gäckle zu diesen Fragen berichtet Prof. Dr. Andreas Heiser. Er ist Rektor der Theologischen Hochschule Ewersbach, der Ausbildungsstätte des Bundes Freier evangelischer Gemeinden.

Der Rektor und Neutestamentler der Internationalen Hochschule Liebenzell, Prof. Dr. Volker Gäckle, stellt die Frage vor dem Hintergrund heutiger Anfragen an das christliche Gottesbild. So sehe beispielsweise der Schriftsteller Theodor Weißenborn keine Vereinbarkeit von Sühneopfer und Liebe. „Seit er meinen Bruder kreuzigen ließ, um sich mit mir zu versöhnen, weiß ich, was ich von meinem Vater zu halten habe.“ (Wege nach Golgatha, 82). Publikumswirksam habe auch Klaus-Peter Jörns die klassische Deutung eines Sühnetodes Jesu in Frage gestellt. Man solle nicht mehr von einem Opfertod Christi sprechen. Im Zentrum der Bibel stehe die bedingungslose Liebe eines Gottes, der kein Sühnopfer brauche, sondern aus Liebe vergebe. Das Sterben Jesu sei ein Zeugnis der Solidarität Gottes, aber kein Heilsgeschehen als Opfer für Sünde. Problematisiert werde zudem der Zusammenhang von Religion und Gewalt. Der Glaube an eine Opferreligion fördere Gewalt. Darum charakterisierten heute bis zu zwei Drittel der Theologen Gott als ausschließlich liebevoll, und nur ein Drittel ließen brutale und gewalttätige Züge im Gottesbild zu. Gäckle stellt fest, dass sich die Schwerpunkte der Debatte in den letzten Jahren verschoben haben. Während die Frage, ob ein Festhalten am Sühneopfer mit einem grausamen Gottesbild einhergehe, in den 1980er-Jahren noch im Rahmen der Bibelauslegung diskutiert wurde, sei sie in den Jahren ab 2000 systematisch theologisch behandelt worden. Heute seien ästhetische und moralische Kriterien dominant. In der praktisch theologischen Diskussion gehe es darum, ob man den Menschen fremde und unzumutbare Vorstellungen zumuten sollte. Näherliegende Kategorien wie Freundlichkeit und Liebe entschieden darüber, ob man in einer Predigt von Sühne rede oder nicht.Was Gäckle auf dieser dunklen Hintergrundfolie entfaltet, ist solide exegetische Auseinandersetzung mit dem biblischen Zeugnis. Er legt Stellen aus, an denen Jesu Sterben als Sterben „für uns“ bzw. „für unsere Sünden“ aufgefasst wird. Solche Texte heben zwei Aspekte hervor, zum einen, dass das Sterben Jesu an unserer Stelle „für uns“, und zum anderen, dass es heilbringend „für uns“ geschehen sei.


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