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Von Arndt Schnepper


"Das beste deutsche Buch"

Eine Reihe zu Martin Luthers Bibelübersetzung

Teil 1: Wie die Lutherbibel entstand

ELF WOCHEN WIE IM RAUSCH
Reichstag in Worms, April 1521: Martin Luther wird für „vogelfrei“ erklärt. Er wurde aus der zivilen Rechtsgemeinschaft verstoßen und jedermann konnte ihn nun ohne Strafe töten. Um ihn zu schützen, ließ ihn sein Kurfürst Friedrich der Weise gegen seinen Willen entführen und auf die Wartburg bringen. „Junker Jörg“ hieß er nun. Er ließ sich das Haar wachsen und sogar einen Bart stehen. Und was tut man, wenn man unfreiwillig aus der Arbeit gerissen wird? Nun, Luther übersetzte das Neue Testament. Er muss es wie im Rausch getan haben. Angefangen im Dezember 1521 hatte der 37-Jährige im März 1522 die Arbeit bereits abgeschlossen. Das waren alles in allem nur elf Wochen. Er benutzte hierzu die beste damals erreichbare Ausgabe, die vom Grundtext des Neuen Testaments vorlag. Hierbei handelte es sich um die griechische Ausgabe des Neuen Testaments, die Erasmus von Rotterdam in der zweiten Auflage 1519 veröffentlicht hatte. „Ad fontes“ (lat.: zu den Quellen), das heißt, so nah wie möglich am griechischen Urtext bleiben – das war sein Bestreben. Und es war eine Zäsur. Denn im vierten Jahrhundert war der Gotenbischof Wulfila als Letzter so verfahren. Alle später folgenden Übersetzungen orientierten sich an der lateinischen Bibelausgabe Vulgata. Anfang März 1522 kehrte Luther nach Wittenberg zurück und hatte das Manuskript im Gepäck. Und im September 1522 konnte sein sogenanntes „Septembertestament“ zum ersten Mal erscheinen.

ZWÖLF JAHRE TEAMARBEIT
Luther konnte Hebräisch, allerdings nicht so gut, wie er des Griechischen und des Lateinischen mächtig war. Deswegen war er auf die Hilfe anderer angewiesen – und traf sich fortan regelmäßig mit einem Kreis von Theologen, um die biblischen Bücher sukzessive zu übersetzen. Und hierfür brauchte es Zeit – insgesamt zwölf Jahre sollten es schließlich werden. Wichtige Gesprächspartner waren für Luther vor allem seine Wittenberger Kollegen, allen voran Philipp Melanchthon. Aber nicht nur der akademische Austausch war es, der die Lutherbibel langsam wachsen und reifen ließ. Der Reformator suchte auch den direkten Zugang zur Alltagswelt. Um etwa die im 3. Buch Mose geschilderten Opferhandlungen besser zu verstehen, suchte Luther eine Schlachterei auf. Hier ließ er sich von dem Fleischer einige Schafe zerlegen und erklären, wie man die Organe der Tiere nennt. Als er sich mit dem Tempelbau Salomos beschäftigte, besuchte er Handwerker und Steinmetze, um sich von ihnen ihre Werkzeuge erklären zu lassen. Bekannt ist auch, dass er sich schon auf der Wartburg Edelsteine aus dem Besitz des Kurfürsten Friedrich kommen ließ, um die in der Johannesapokalypse genannten Juwelen richtig übersetzen zu können. Und für die Übersetzung der Geschichte von der Samaritanerin am Jakobsbrunnen soll er sich sogar mehrfach mit Wittenberger Bürgern am Brunnen vor dem Elstertor getroffen haben, um sich besser in die biblische Szene hineinzuversetzen. Der einsame Junker Jörg auf der Wartburg übersetzt die Bibel – das ist ein verzerrtes Bild. Knapp drei Monate benötigte Luther für die Übersetzung des Neuen Testaments. Die Übertragung des Alten Testaments dauerte mehr als ein Jahrzehnt und konnte nur im Miteinander geleistet werden.


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