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Von Arndt Schnepper


©Gabriel Gurrola/unsplash.com

Luthers Sprache ist Musik

Eine Reihe zu Martin Luthers Bibelübersetzung

Teil 1: Melodie, Rhythmus und Poesie in der Lutherbibel

ERFOLG OHNEGLEICHEN

Luthers Bibel war beileibe nicht die erste deutsche Übersetzung. Als 1522 sein Neues Testament erstmalig erschien, gab es schon 14 hochdeutsche und vier niederdeutsche Bibelausgaben. Zählt man noch die Teilbibeln hinzu, kommt man auf eine stolze Zahl von etwa 70 Übersetzungen. Ihre Namen kennen heute allerdings nur noch Wissenschaftler. Luther dagegen blieb. Was waren die Gründe dafür? Warum liest man Luther heute immer noch, während viele andere Übersetzungen nach ein paar Auflagen wieder verschwanden?

WORT UND KLANG

Wer eine Bibelübersetzung nur nach ihrer Grammatik beurteilt, wird ihr nicht gerecht. Luther hat das immer gewusst: „Die wahre Natur des Wortes ist es, gehört zu werden.“ Das war das Wesen seines Sprachverständnisses. So ist es kein Wunder, dass es der Lutherbibel im Vergleich mit anderen Übertragungen oft besser gelang, die Akustik der Bibel wiederzugeben. Alles ist hier Melodie, Rhythmus und Poesie. So spricht der sächsische Kirchenmusiker Christfried Brödel vom „Klangleib der Lutherschen Sprache“. Der Lobgesang der Maria mag diesen Sachverhalt unterstreichen: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes“ (Lukas 1,46 und 47). Durch die Aneinanderreihung des Selbstlautes „e“ und des Doppellauts „ei“ bzw. „eu“ gelingt Luther eine klangliche Einheit des Verses. Der Klangfluss ist so elegant geformt, dass er sich von 1522 bis in die aktuelle Lutherübersetzung erhalten hat. Ein wahres Meisterstück an sprachlicher Prägnanz und Phonetik! Ein weiteres Beispiel sei angeführt, und zwar die bekannte Beschreibung aus der Weihnachtsgeschichte in Lukas 2,8: „Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.“ Bemerkenswert ist die Häufung des anlautenden „h“. Hinzu kommt, dass fast nur helle Vokale wie i, e, ü gewählt werden. Man gewinnt den Eindruck, der Satz sei nicht nur geschrieben. Nein, er ist vielmehr komponiert. Luthers Sprache ist Musik!


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