Frank und Ute Paul leben Gastfreundschaft mit Menschen unterschiedlichster Herkunft. Mit ihrer Familie haben sie 18 Jahre als Missionare in Argentinien gelebt und gehören nun zu der Kommunität Offensive Junger Christen (OJC) in Reichelsheim. Artur Wiebe fragte nach, wie Gastfreundschaft als Lebensstil aussehen kann – und wie das bei ihnen konkret umgesetzt wird.


Ute und Frank, ich habe euch sehr gastfreundlich kennengelernt. Würdet ihr euch als gute Gastgeber bezeichnen?

Ute: Schön, dass du das so erlebt hast. Stimmt, ihr konntet unser Haus ja mal zum Urlaubmachen nutzen, genauso, wie wir zuvor schon bei anderen Urlaub machen durften. Vielleicht ist euch dabei aufgefallen, dass wir vorher nicht alles poliert haben … Wir sind wohl eher etwas unkonventionelle Gastgeber. Und die Orchidee, die wir vorfanden, als wir wieder nach Hause kamen, hat geschlagene drei Jahre am Stück geblüht! Vielen Dank dafür!

Welches Beispiel von Gastfreundschaft, die ihr in eurem Leben jeweils erlebt habt, ist euch besonders im Gedächtnis hängengeblieben?

Frank: Ich saß vor ein paar Jahren zu Gast bei einer Toba - Familie im argentinischen Chaco vor ihrer Tür am Feuer. Da torkelte ein Mann mit einer Flasche Fusel in der Hand herbei. Ich werde nie vergessen, wie das Familienoberhaupt ihm einen Platz in der Runde anbot, freundlich mit ihm sprach, ihm etwas zu essen anbot und ihn mit großem Respekt wie einen Gentleman behandelte. Obwohl der Mann viel Unverständliches von sich gab, hörte er ihm lange und geduldig zu.

Ute: Ich erinnere mich noch an Sylvester kurz nach Mitternacht, zu Gast bei einem türkischen Familienclan, und das mehrere Jahre hintereinander. Auf dem Wohnzimmerteppich (selbstverständlich ohne Schuhe, die stapelten sich vor der Tür) wurden wir in ihre Tanzreihe eingereiht und versuchten, bei den Schritten mitzukommen. Daneben saßen auf dem Sofa Opa und Oma mit einem kleinen Enkel auf dem Schoß und strahlten. Alles war laut, voll, lebendig. Wir genossen die Selbstverständlichkeit, dabei sein zu dürfen. Dauernd brachte uns irgendjemand eine andere türkische Delikatesse oder schenkte großzügig unsere Gläser nach.

Die Bibel ermutigt und fordert dazu auf, gastfrei zu sein. Kann man Gastfreundschaft lernen oder ist es einem in die Wiege gelegt?

Frank: Ja, das mit der Wiege ist doch schon eine Spur: Genau das habe ich bei meinen Eltern gesehen. Sie luden oft Leute ein, die neu in der Gemeinde waren, zusammen mit langjährigen Freunden, und stifteten auf diese Weise an ihrem Esstisch eine Willkommenskultur, lange bevor dieses Wort modern wurde. Wir Kinder warteten sehnlichst auf den Moment, wo der Nachtisch drankam, da durften wir uns nämlich in der Küche über die Reste hermachen.

Ute: An Weihnachten luden meine Eltern die ausländischen Akademiker von der Uni ein. Das war spannend für uns Kinder. Andere Hautfarben, andere Sprachen, witzige Gastgeschenke, die dann die Regale zierten. Dennoch mussten wir später selber erst noch lernen, wie wir z. B. dem Geschmack von Gästen entgegenkommen können. Wir mussten auch als Familie lernen, wann es für unsere Kinder nicht passt, dass noch andere Leute am Tisch sind.

Was motiviert euch, gastfrei zu sein? Welche Prinzipien leiten euch dabei?

Frank: In unserer Lebensgemeinschaft leben wir von dem, was unsere Freunde mit uns teilen. Davon erhalten wir alle ein Grundeinkommen. Ist es da nicht selbstverständlich, auch mit anderen zu teilen?

 

Das vollständige Interview finden Sie in der Ausgabe 03/19 in CHRISTSEIN HEUTE.